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Shark Info 3 / 01   (15.09.2001)

Author

  Intro:

Unfallanalysen als Hilfsmittel für aktiven Haischutz

Shark Info

  Hauptartikel:

Unfallanalysen als Hilfsmittel für aktiven Haischutz

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Ist die Angst vor dem Hai begründet?

Nihal Özkara

  Artikel 2:

Jährliches Treffen der American Elasmobranch Society (AES)

Jürg Brunnschweiler

  Artikel 3:

Sinnvolle Nutzung oder Raubbau?

Harald Gay

  Fact Sheet:

Heringshaie

Dr. E. K. Ritter


Ist die Angst vor dem Hai begründet?

Von Nihal Özkara

Wahrscheinlich würden deutlich mehr als 90 % aller Menschen eine unbewusste Angst gegenüber Haien nicht ableugnen können, ohne zu wissen, dass es «den Hai» nicht gibt. Tatsächlich existieren über 460 Haiarten, mit Grössen von 30 cm bis über 13 Metern.

In welcher Weise sich diese Angst manifestiert ist unklar. Ist es eine archaische Angst, die in unseren Genen ihren Ursprung findet oder handelt es sich um eine Folge von Lernprozessen, die hauptsächlich durch die Medien ihren Weg in unser Bewusstsein gefunden haben? Es gibt wahrscheinlich Anhänger beider Theorien, die jeweils für sich selbst versuchen, ihre Angst auf die eine oder andere Weise zu erklären.

Der Wissenschaftler an sich versucht, anhand der vorliegenden Forschungen zu erklären, warum der Mensch diese Angst vor dem Hai empfindet. Der Verhaltensforscher wird versuchen zu beweisen, dass diese Angst etwas Erlerntes ist und durch Filme wie «Der Weisse Hai» ihren Weg zum Menschen und zu seinem Bewusstsein gefunden hat. Der Verhaltensgenetiker vertritt die These, dass die Angst genetisch determiniert ist.

Über Jahre hinweg wurde über die Medien dem Menschen suggeriert, dass der Hai ein höchst gefährliches Tier ist, und alles, was sich ihm in den Weg stellt, verschlingt - einschliesslich Menschen. Diese Aussagen entbehren jedweder Grundlage, und wurden willkürlich aufgestellt ohne das Verhalten dieser Tiere genau beobachtet zu haben.

Wichtig ist, durch Aufklärungsarbeit den Menschen deutlich zu machen, dass der Hai nicht dem Bild entspricht, das uns jahrelang vermittelt wurde. Der Hai erfüllt eine wichtige Rolle im Ökosystem des Meeres. Er ernährt sich von schwachen und kranken Meerestieren und sorgt so für ein Gleichgewicht.

Je weiter die Forschung sich auf diesem Gebiet entwickelt, um so mehr kann man das Verhalten von Haien definieren und somit schrittweise die alten Klischees vom Hai als einer bösartigen Bestie widerlegen.

Eine wichtige Rolle hierbei spielt die Vorgehensweise bei der Bewältigung der Angst bei Personen, die eine Angstneurose/Angststörung im Hinblick auf Haie entwickelt haben. Das kann Personen betreffen, die einen direkten negativen Kontakt mit Haien hatten (z.B. Sporttaucher, Fischer), aber auch Personen die nur eine ungeklärte Angst vor Haien haben. In so einem Fall würde es sich empfehlen, eine Therapie in Anspruch zu nehmen.

Eine der häufig angewandten Therapien hierbei ist die systematische Desensibilisierung. Zu diesem Zweck wird eine Liste mit Angst auslösenden Situationen zusammengestellt, die hierarchisch angeordnet wird. Die Liste beginnt mit der am wenigsten Angst auslösenden Situation und endet mit der Situation, die am meisten Angst auslöst. Im Anschluss daran werden Entspannungstechniken angewendet, um einen tiefen Entspannungszustand zu erreichen. Wenn dieser Zustand erreicht ist, stellt man sich schrittweise mehrere Situationen vor -beginnend mit der am wenigsten Angst auslösenden Situation. In diesem Zustand völliger Entspannung wird die Entstehung der Angst gehemmt und man kann sich immer Angst einflössendere Situationen vorstellen, ohne Angst zu empfinden. Durch mehrere Therapiesitzungen hindurch lernt man, mit den vorgestellten Situationen angstfrei umzugehen, um so seine Angst zu bewältigen bzw. zu verarbeiten.

Eine weitere Methode die bei Angststörungen angewandt wird, ist die «flooding therapy». Hierbei wird man der Quelle der Angst in voller Intensität ausgesetzt. Diese Therapieform kann wirkungsvoll sein, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Welche Therapiemethoden bei wem am effektivsten sind, ist unter anderem von der Persönlichkeitsstruktur der betreffenden Person abhängig. Diese wird zu Beginn jeder Therapie durch Gespräche und entsprechende Persönlichkeitstests ermittelt, um eine der Persönlichkeit angepasste Therapie anzuwenden.

Man ist mit seiner Angst in keinster Weise alleingelassen. Das Team von Dr. Erich Ritter (Green Marine) veranstaltet bereits seit geraumer Zeit Therapien/Seminare bzw. Kurse, wobei die oben genannten Therapieformen ebenfalls zur Anwendung kommen. Mit ihren Methoden konnten sie bereits einen grossen Erfolg bei der Bewältigung der Angst vor Haien erzielen.

Die Erfolg versprechendste Möglichkeit, die allgemeine Angst in der Bevölkerung vor Haien zu nehmen, besteht wohl in einer umfassenden Aufklärungskampagne. Diese sollte sich auf die bisher gemachten Forschungen stützen und versuchen, anhand dessen das Verhalten der Haie zu erklären.

Es sollte uns zu denken geben, dass viele Haiarten heute als gefährdet betrachtet werden müssen und von mehreren Ländern, unter anderem USA, Südafrika und Australien, unter Schutz gestellt worden sind. Es ist höchste Zeit, etwas zu unternehmen, wenn wir nicht wollen, dass diese Tiere von der Erdoberfläche verschwinden. Die Natur hat ihnen ihre Aufgabe vorgegeben, und wir sollten nicht durch unsere Unwissenheit der Natur ins Handwerk pfuschen und somit das Gleichgewicht zerstören.


* Nihal Özkara, ist Diplom Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, J.W.Goethe Universität Frankfurt.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Nihal Özkara



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modifiziert: 04.06.2016 10:48