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Shark Info 3 / 02   (04.11.2002)

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  Intro:

Hai-Forschungsreise in den Golf von Mexiko

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  Hauptartikel:

Hai-Forschungsreise in den Golf von Mexiko

Dr. A. J. Godknecht, Dr. G. D. Guex

  Artikel 1:

Haie in Forschung und Wissenschaft

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  Artikel 2:

Krankhafte Veränderungen durch Fischerhaken beim Blauhai, Prionace glauca.

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  Artikel 3:

Europa erwägt Verbot von Finning

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  Fact Sheet:

Spinnerhai

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Hai-Forschungsreise in den Golf von Mexiko

Von Dr. A. J. Godknecht, Dr. G. D. Guex

1993 setzten die USA einen Fisch-Management Plan für ihre Küstengewässer in Kraft. Seither führt die amerikanische Regierung jährlich Untersuchungen durch, um die Auswirkungen des Planes zu überwachen. Ein Teil des Plans beinhaltet auch die Analyse der Artenzusammensetzung und Häufigkeit der Hai-Bestände (sehen Sie hierzu auch den Bericht in Shark Info 4/99). Mit der Durchführung wurden die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration oder Nationale Ozean- und Atmosphären Administration) beziehungsweise ihre Fischereiabteilung NMFS (Nationaler Mariner Fischerei Service) betraut. Leiter des Programms für den Golf von Mexiko und den westlichen Nordatlantik ist der Fischereibiologe Mark Grace von den NMFS Laboratorien in Pascagoula, Mississippi.

Oregon

Die Oregon II, ein zum Forschungsschiff umgebautes Fischereiboot der NOAA.

© A. Godknecht / Hai-Stiftung

Die Untersuchungen im Golf von Mexiko werden jedes Jahr zwischen Juli und Oktober durchgeführt und in der Regel kommt hierfür die Oregon II, ein Forschungsschiff der NOAA zum Einsatz. Die Haie werden mit der Longline (siehe unten) gefangen, um Vergleiche mit der kommerziellen Fischerei zu ermöglichen. Die Longline befindet sich allerdings nur exakt eine Stunde im Wasser, um möglichst viele Haie lebend fangen, vermessen, markieren und wieder freilassen zu können.

Das Fangen und Vermessen der Haie im 24 Stunden Betrieb ist eine aufwendige Arbeit, die von den Matrosen an Bord der Oregon II nicht übernommen werden kann. Deshalb lädt Mark Grace gerne Wissenschaftler und Studierende ein, die für Kost und Logis an den Expeditionen teilnehmen und tatkräftig mithelfen. Diese Fronarbeit an der Forschungs-Front ist für die Helfer ein faszinierendes Erlebnis und oft ihr erster direkter Kontakt mit Haien. Zudem schonen die Freiwilligen das Budget des Projektes. Dr. Gaston D. Guex und ich hatten im August die Möglichkeit, als solche freiwillige wissenschaftliche Fronarbeiter an einer der Fahrten der Oregon II teilzunehmen und die Projektarbeit hautnah mitzuerleben. In diesem und dem nächsten Shark Info finden Sie den Bericht unserer Reise in Tagebuchform.

Tag 1

Abflug mit Swiss 064 von Zürich nach Miami und weiter mit American Airlines nach New Orleans. Wir kommen um 10 Uhr abends an, es ist schwül und im Hotel läuft die Air Condition auf Vollgas. Zu heiss und zu kalt: Willkommen in tropischen Gefilden.

Abends Bourbon Street. Ein junger Taxifahrer mit einem anfangs etwas schwer verständlichen, breiten Louisiana Akzent fährt uns und wir kommen ins Gespräch. New Orleans hat offensichtlich einige dunkle Ecken, vor denen wir gewarnt werden. Die Kriminalitätsrate sei durch die grassierende Arbeitslosigkeit speziell hoch. Die Bourbon Street selbst ist etwas enttäuschend, wohl wie jeder «Red Light District». Nur in einer einzigen Bar spielt ein echtes Dixieland Orchester; Schwarze in Smokings, alle über 50 und mit sehr viel Swing. Zum Abendessen eine Fischplatte mit «Stuffed Crabs», eine Art Krabbenfleischteig in der Form einer Krabbe, und, im Vergleich zu purem Krabbenfleisch, eher fad und schwer. Na ja, der Fisch ist zumindest vorzüglich. Um 2 Uhr sind wir wieder im Hotel und fallen wie Tote ins Bett.

Tag 2

Biloxy

Die Haie lassen grüssen.

© A. Godknecht / Hai-Stiftung

Nach dem Frühstück, es ist 8:50, sind es bereits 30 Grad und etwa 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ist das ein Vorgeschmack auf das, was uns auf der Oregon II erwarten wird?

New Orleans kennen zu lernen wäre schön, doch wir müssen los und nehmen die Interstate 10 Richtung Osten nach Pascagoula, Mississippi. Abends zuvor hatten wir noch kurz mit Mark telefoniert und er riet uns, ab Bay Saint Louis den Highway 90 entlang der Küste über Biloxy und Ocean Springs zu nehmen. Es sei nämlich Hochsaison für Shrimps und Krabben. Wir würden unterwegs sicher ein entsprechendes Fischrestaurant finden. Also los ging’s entlang der sehr malerischen Küste. Schön aber sehr touristisch. Uns schien es, als gäbe es in jedem Dorf mindestens zwei Spielkasinos.

George W

George W: Embryonen von Scharfnasenhaien als makabere Tourismusattraktion.

© A. Godknecht / Hai-Stiftung

Direkt aus der hailosen Schweiz kommend, sind wir über einige Fassaden von Restaurants und Shops recht erstaunt. Haie gehören hier offensichtlich zum täglichen Leben. Auch in den Souvenirläden gibt's Haitrophäen en masse; Kiefer, Zähne, aber der Renner sind, makaberer Weise, Embryos des Atlantischen Scharfnasenhaies (Rhizoprionodon terranovae) in Alkohol. Nach langem Überlegen kaufen wir dann doch einen - für die Hai-Ausstellung - und taufen ihn George W. Kurz nach Biloxy, es regnet in der Zwischenzeit Bindfäden, fanden wir ein nettes Restaurant mit den versprochenen Shrimps und Krabben. Nach dem Essen waren nicht nur die Krabben «stuffed» und wir entschieden uns für einen kurzen Verdauungsspaziergang am Meer. Fischer reiht sich neben Fischer, trotz des inzwischen leichteren Regens. Als richtige Touristen schauen wir natürlich den Fischern über die Schultern. Wo in der Schweiz Rotfedern oder Egli an die Haken gehen, werden hier Scharfnasenhaie geangelt. «Dogfish» meinte einer der Fischer eher verächtlich. Wie Mark uns später sagte, sind hier alle Haie «Dogfish».

Am späten Nachmittag erreichten wir Pascagoula. Auf der Suche nach den Labors der NOAA/NMFS kam unerwartet ein grosser blauer Van mit vier Mädchen längsseits. «You're looking for the O2? Are you the guys from far away?» (Sucht Ihr die O2? Seid Ihr die Typen von weit her?) schallte es aus dem blauen Van. Etwas perplex bejahten wir Beides und die vier grinsenden Girls forderten uns auf Ihnen zu folgen. Zwei Minuten später standen wir vor der Oregon II, die für die nächsten 15 Tage unser schwimmendes zu Hause sein sollte. An Bord nahm uns Paul, der Koch wie sich schnell herausstellte, unter seine Fittiche. Er zeigte uns unsere Quartiere und, stolz, die prall gefüllten Lagerräume der Kombüse. Wir würden sicher nicht hungern müssen; bye bye Diät. An Bord ist Alkohol verboten und meine Frau Sabine hatte gehofft, dass ich während der 15 Tage ohne ein Glas Wein sicher ein paar Kilo abnehmen würde.

Nach der ersten Besichtigung unserer Kabine entschlossen wir uns, die letzte Nacht an Land doch lieber im Hotel zu verbringen, man soll's ja nicht gleich übertreiben.

Tag 3

Morgens letzte Einkäufe, dann ein Treffen mit Mark. Es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn man sich nach Jahre langem E-Mail Kontakt plötzlich persönlich gegenüber steht. Mark begrüsst uns herzlich und stellt sich als grosser, südstaatlich ruhiger aber äusserst humorvoller Mittvierziger heraus, dem man das Alter allerdings nicht ansieht.

Wir erhalten eine Führung durch die NMFS Pascagoula Labors. Das Hauptthema des Vormittags, Mark war es sichtlich peinlich, sind jedoch unsere Fingerabdrücke; Sicherheitsmassnahmen. Wir fuhren also zum verschlafenen Polizeiposten, der sich von innen als eher überproportioniert herausstellte. Eine freundliche, blonde Valkyre führte uns ins antiseptisch riechende Untersuchungszimmer und nahm kurz und schmerzlos, sie machte das offensichtlich nicht das erste Mal, unsere Fingerabdrücke. Etwas irritierte uns allerdings der Plastikstuhl mit den vielen Schnallen in der Ecke. Er erinnerte an eine Requisite aus «Das Schweigen der Lämmer». «Um Leute ruhig zu stellen» meinte die Blonde, die unsere Blicke wohl bemerkt hatte. Obwohl man sich sehr nett um uns gekümmert hatte, waren wir dennoch erleichtert, als wir wieder draussen waren. Gedanken über die verschlungenen Wege, auf die sich unsere Fingerabdrücke nun in der undurchschaubaren amerikanischen Bürokratie machen würden, versuchten wir standhaft zu verdrängen.

Zurück auf der Oregon erfuhren wir, dass wir nicht wie geplant um 13:00 auslaufen können. Der Kompressor des Gefrierraums für die Köderfische war kaputt und wir mussten noch auf ein mystisches Ersatzteil warten. Es sei unterwegs aus dem Norden per Fedex und würde so gegen fünf erwartet. Mark murmelte etwas von «das könnte länger dauern, letztes Mal haben wir drei Tage auf ein Ersatzteil gewartet» und verschwand in Richtung Laborgebäude. Da wir nichts Besseres zu tun hatten, bezogen wir unsere Kabine, natürlich nicht ohne uns diverse blaue Flecken zuzuziehen. Aber wir würden uns schon noch an die Kompaktbauweise gewöhnen. Um vier erreichte uns die Nachricht, dass das Ersatzteil leider noch irgendwo zwischen «dem Norden» und Pascagoula unterwegs sei, wir morgen wohl Genaueres erfahren würden und dass das Abendessen an Bord zwischen fünf und sechs serviert würde. Unsere innere Uhr tickte allerdings noch in einer Zeitzone irgendwo zwischen der Schweiz und den USA und uns erschien «Abendessen zwischen fünf und sechs» doch etwas früh. Also fragten wir Paul, wo wir denn in Pascagoula ein typisches Mississippi Abendessen bekommen könnten. «Geht ins Tiki, das ist nur etwa zehn Meilen von hier». Prima, wir hatten unseren Mietwagen ja gerade erst zurückgegeben. «No problem» meint Paul «take the van». Und so fuhren wir, die frisch gefingerabdruckten Ausländer von «weit weg» in einem Van der US Regierung zum Abendessen ins Tiki. Wenn das George W. – nein, nicht unsere Haikonserve - wüsste.

Tag 4

Das heiss erwartete Teil ist irgendwann einmal am Morgen angekommen und um 13:00 geht es endlich los. Wir wechseln auf Schiffszeit, das heisst, von der amerikanischen Zeit mit «am» und «pm» auf das für uns familiärere 24 Stunden System. Wir werden in zwei Schichten 24 Stunden durcharbeiten. Mark hat uns die Nachtschicht von 0:00 bis 12 Uhr Mittags empfohlen, es wäre für Europäer nicht so heiss. Nun ja, Mark kommt von hier und hat auch ausreichend Erfahrung. Er muss es wissen und ist selbst schliesslich auch in der Nachtschicht. In der Zwischenzeit haben wir auch den Rest der Crew und das wissenschaftliche Team kennen gelernt. Mit uns in der Nachtschicht sind Melissa, sie sucht für ihre Dissertation Gelbflossen Grouper, und Jill, die während den Semestern hauptsächlich unterrichtet. Dr. John Carlson, Hai-Wissenschaftler aus dem NOAA-Forschungslabor in Panama City, Florida, war schon auf vielen dieser Fahrten der Oregon dabei und leitet die Tagschicht. Sein Team besteht aus den Girls aus dem Van; drei Studentinnen und Lenora, die für diesen Trip vom NMFS angestellt wurde.

Longline

Die Longline der Oregon II mit exakt 100 Haken auf 1 km Leine. Die Oregon II fischte während unserer Reise nur mit der am Boden liegenden Longline.

© Shark Info

Ein paar Meilen vor Pascagoula setzt die Tagschicht bereits die erste Longline. Die Prozedur werden wir wohl nie mehr vergessen: Zuerst werden exakt 100 Haken mit Makrelen-Ködern bestückt. Die Oregon verlangsamt ihr Tempo auf etwa zwei Knoten. Am Heck der Oregon wird die Longline an einer Boje mit Radarreflektor befestigt und die Boje ins Wasser gelassen. Die Oregon entfernt sich nun von der Boje und rollt langsam die Longline aus. Zuerst wird das Startgewicht an die Longline gehängt, das sie auf den Meeresboden herabzieht. Dann werden alle 10 Meter die Haken mit den Ködern in die Longline eingeklinkt, nach etwa 500 Metern bzw. 50 Haken kommt das Mittelgewicht, dann nochmals 50 Haken und nach exakt einem Kilometer das Endgewicht. Zuletzt wird die zweite Boje an der Longline befestigt, um das Ende der Leine zu markieren. Die Leine wird genau 60 Minuten draussen bleiben.

Ist die Longline gesetzt, geht's zum Bug und das CTD (siehe Kasten), ein Messgerät, das verschiedene chemische Wasserparameter aufzeichnet, wird langsam auf den Meeresgrund gelassen und wieder hochgezogen. Die CTD Messung dauert alles in allem etwa 20 Minuten und dann heisst’s Warten, bis die Longline eingezogen wird. Die Oregon macht dabei einen langsamen, grossen Kreis zur Startboje zurück. Es hat sich gezeigt, dass die Leine sich besser vom Startpunkt aus einholen lässt.

Das Einholen der ersten Longline ist für alle Beteiligten, auch die hartgesottene Crew, besonders aufregend. Wir konnten es uns gemütlich machen und aus bester Position der Tagschicht bei der Arbeit zusehen. Zuerst wird die Boje wieder an Bord geholt und die Longline an der Winde befestigt. Dann wird sie, in einem geradezu brutal anmutenden Tempo eingeholt. Wir haben öfter und lange mit Mark über die hohe Einholgeschwindigkeit diskutiert. Hier geht es um die möglichst schnelle «Verarbeitung» der Haie. Je schneller sie wieder im Wasser sind, desto höher ihre Überlebenswahrscheinlichkeit, meint Mark. Wir sind da eher skeptisch. Auch wenn Haie keine Schwimmblase haben, so scheint uns doch der sehr schnelle Druckverlust beim Herausziehen nicht gerade gesund.

Sobald das Startgewicht an Bord geholt wird, wird’s spannend. Schon an einem der ersten Haken hängt ein kleiner Atlantischer Scharfnasenhai, der, um die Leine herumwirbelnd, an Bord gezogen wird. Auf dem Vordeck ist bereits alles zum Vermessen und Markieren vorbereitet. Es muss schnell gehen. John Carlson schnappt sich den wild um sich schlagenden Racker, ein Männchen, und zieht dem Hai mit einer geschickten Drehung den Haken aus dem Maul. Dann wird er auf eine Messlatte gelegt und die Gesamtlänge sowie die Länge zwischen Schnauze und dem Punkt, an dem sich die obere und untere Hälfte der Schwanzflosse treffen (Fork Length) gemessen. Der Hai wird dann noch gewogen, und, nachdem alle Daten säuberlich notiert sind, wieder ins Wasser geworfen. Mark hat sich zu uns gesellt und meint, dass sie während des Projektes bereits ausreichend viele Scharfnasen markiert hätten, so dass sie sie nur noch vermessen. Nach ein paar weiteren Scharfnasen, die die Girls vermessen, kommt ein Hundshai (Mustelus canis) hoch. Er ist mit 1.20 m um einiges grösser, als die etwa 80 cm langen Scharfnasenhaie, die wir bisher vermessen haben. Der Hundshai wird vermessen, markiert und erhält zudem noch eine Injektion mit OTC (Oxy-Tetracyclin). OTC lagert sich wie ein Jahresring in den Rückenwirbeln ein. Wird der Hai irgendwann mal wieder gefangen, kann man am Zuwachs der Rückenwirbel seit der Injektion seine Wachstumsrate berechnen.

Kasten: Die Oregon II als fahrende Messstation

An jeder Station, an der wir eine Longline setzen, werden Wasseruntersuchungen mit dem CTD vorgenommen. CTD steht für Conductivity (Leitfähigkeit), Temperature, Depth (Tiefe). Das CTD kann jedoch auch Sauerstoffgehalt und Planktonkonzentration bestimmen. Während dem Herablassen des CTDs auf den Meeresgrund wird so ein chemisches Wasserprofil erstellt.

Die Oregon selbst ist an über 20 Punkten zwischen Mast und Kiel mit Sensoren gespickt, die während der ganzen Fahrt Daten an den Zentralcomputer senden. So werden permanent Daten über Wassertemperatur (Oberfläche/Kiel) Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Windstärke und vieles mehr registriert, die dann an die ozeanographische Abteilung der NOAA zur Auswertung weitergeleitet werden.

Immer mehr Scharfnasen werden an Bord gezogen, alles Männchen, alle ähnlich gross. Wir haben einen Männchen-Schwarm erwischt. Scharfnasenhaie sind bekannt dafür, dass sie in gleichgeschlechtlichen Schwärmen umher ziehen. Von einigen der Scharfnasenhaien können wir nur noch die Köpfe oder angebissene Vorderteile an Bord ziehen. Sie wurden beim Einholen offensichtlich von anderen Haien geschnappt.

Zwischen den Scharfnasenhaien kommen jetzt auch ein paar Spinnerhaie (Carcharhinus brevipinna) hoch. Man kann sie an ihrer schwarzen Analflosse gut von Schwarzspitzen Haien (C. limbatus) unterscheiden. Es sind kleinere Exemplare von etwa 1.30 m. Sie werden vermessen, markiert und wieder frei gelassen.

Plötzlich entsteht Aufregung bei der Tagschicht. Ein 2.50 m langer Schwarzspitzen Hai zerrt an der Leine und hat bei seinem Kampf eine Reihe Haken in ein rechtes Durcheinander verdreht. Er hängt, zusammen mit dem Kopf eines Scharfnasenhaies, den er wohl fressen wollte, am Haken. Er ist zu gross, um an Bord geholt zu werden. John versucht ihn ein Stück aus dem Wasser zu ziehen, um sein Geschlecht festzustellen. Er hat Clasper, ist also ein Männchen. Die Gesamtlänge wird geschätzt, die Fork Length und das Gewicht werden später anhand von Tabellen ermittelt. Der Hai bekommt jetzt noch eine Marke, was gar nicht so einfach ist, denn der Hai schwimmt am Haken hin und her und versucht abzutauchen. Die Marke wird an einem 2.50 Meter langen Stock befestigt und John versucht sie, von Bord aus, direkt beim Hai unterhalb der Rückenflosse in den Flossenstrahlen zu verankern. Dort stört sie ihn am wenigsten. John ist sehr erfahren und trifft beim ersten Versuch. «Good shot» klingts von Rechts und Links beifällig. Dann wird der Haken einfach abgeschnitten und der Hai macht sich schleunigst davon. Auf meine Frage, ob der Haken den Hai denn nicht stört, meinte John nur «der rostet schon raus» (sehen Sie hierzu auch den Bericht über «Krankhafte Veränderungen durch Haken bei Blauhaien» in diesem Shark Info).

Noch ein paar Scharfnasen und das Endgewicht kommt an Bord. Es war äusserst spannend. Es ist jetzt etwa 14:00. Um Mitternacht beginnt unsere Schicht. Wir sind schon gespannt.

Fortsetzung im nächsten Shark Info

* Alexander J. Godknecht und Gaston D. Guex sind im Stiftungsrat der Hai-Stiftung und der Redaktion von Shark Info.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. A. J. Godknecht, Dr. G. D. Guex



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modifiziert: 04.06.2016 10:48