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Shark Info 2 / 99   (15.06.1999)

Author

  Intro:

Ökonomische und ökologische Aspekte des Haitourismus

Shark Info

  Hauptartikel:

Unterwasserparks: ökonomische und ökologische Aspekte

Shark Info

  Artikel 1:

Gefährdete Kinderstuben

Dr. T. E. Hopkins

  Artikel 2:

Requiem für die Schillerlocken

Dr. A. J. Godknecht

  Artikel 3:

Aggressive Haie - Realität oder Fantasie?

Dr. E. K. Ritter

  Fact Sheet:

Dornhaie

Shark Info


Fact Sheet: Dornhaie

Dornhai

Der eigentliche Dornhai (Squalus acanthias).

© Shark Info / J. Stafford-Deitsch

Wir kennen die Dornhaie hauptsächlich durch ihren bekanntesten Vertreter, den eigentlichen Dornhai, Squalus acanthias. Doch der Name «Dornhaie» steht nicht nur für diese eine Haiart, sondern für eine ganze Familie. Zur Familie der Dornhaie gehören zum Beispiel so unterschiedliche Formen wie die Grönlandhaie und die Zigarrenhaie. Der Name «Dorn»haie ist hierbei irreführend, denn entgegen den Erwartungen haben nicht alle Arten die markanten Dornen vor der Rückenflosse. Doch obwohl die Arten dieser Familie teilweise sehr unterschiedlich aussehen, haben sie alle eines gemeinsam: Sauglöcher hinter den Augen und allen fehlt eine Analflosse. Die meisten Dornhaiarten leben in der Tiefsee, was die Beobachtung der Tiefseeformen in ihrem natürlichen Umfeld sehr schwierig macht. Deshalb ist das wenige, was wir über sie wissen, oft sehr spekulativ. Generell ist über die Biologie der Dornhaie wenig bekannt. Die wohl am Besten untersuchte Art dieser Gruppe sind die eigentlichen Dornhaie, Squalus acanthias, wobei sich auch bei ihnen die Kenntnisse vornehmlich auf fischereirelevante Informationen beschränken.

Die Biologie des eigentlichen Dornhais (Squalus acanthias)

Verbreitung der Dornhaie

Verbreitungsgebiet des Dornhaies (Squalus acanthias). Quelle: FAO Species Identification and Data Programme.

© Shark Info / J. Stafford-Deitsch

Verbreitung:

Die eigentlichen Dornhaie haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet (siehe Karte), denn im Allgemeinen bevorzugen diese Tiere einen Temperaturbereich zwischen 7 und 15 Grad. Dennoch sind sie wahrscheinlich die individuenreichste Haiart. Alleine vor Massachusetts (USA) wurden beispielsweise um die Jahrhundertwende ca. 27 000 Tonnen jährlich gefangen.

Alter:

Über das Höchstalter dieser Tiere wird noch spekuliert. Werte von 30 und sogar bis 100 Jahren sind in der Literatur zu finden.

Ernährung:

Vieles über die Biologie von Squalus acanthias ist erst fragmentarisch bekannt. Erst letztes Jahr wurde entdeckt, dass sie zwei Fressmethoden haben. Einerseits saugen sie das Futter ein, wobei durch schnelles Absenken des Unterkiefers ein Sog erzeugt wird, andererseits werden Beutetiere gerammt, bevor sie gefressen werden. Die bevorzugte Nahrung scheinen Schwarmfische zu sein, doch auch Wirbellose wie Krebse oder Muscheln gehören zu ihrer Nahrungspalette.

Fortpflanzung:

Dornhaie haben eine Fortpflanzung, die sie sehr empfindlich gegenüber der Fischerei macht. Das Alter, in dem sie die Geschlechtsreife erreichen, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Befunde sprechen von 10-20 bis hin zu 30 Jahren. Derartige Schwankungen deuten darauf hin, dass Unterschiede zwischen Verbreitungsgebieten auftreten können. Äussere Faktoren wie zum Beispiel Wassertemperatur und Nahrungsangebot können sowohl die Geschlechtsreife, als auch die Wurfgrösse beeinflussen, die zwischen 1 und ca. 20 Tieren liegt. Generell ist man sich einig, dass die Schwangerschaft mit 18-24 Monaten, verglichen mit anderen Haiarten, überdurchschnittlich lange dauert. Dornhaie erreichen meist nicht mehr als ca. 120 cm, wobei die Geschlechtsreife mit ca. 60-70 cm (Männchen) resp. 70-100 cm (Weibchen) erreicht wird. Die Geburtsgrösse liegt bei 22 oder 23 cm. Fasst man diese Faktoren zusammen: späte Geschlechtsreife, geringe Nachwuchsrate und lange Schwangerschaft, so erstaunt es nicht, dass die Dornhaie eine Überfischung nur schlecht verkraften. Ihre «langsame» Fortpflanzung bietet ihnen nicht die Möglichkeit, angeschlagene Bestände schnell wieder aufzubauen.

Feinde:

Nicht nur die Fischerei wirkt sich auf die Dornhaibestände aus. Ihre relativ geringe Grösse macht sie zur leichten Beute für andere Haiarten, Seehunde und Schwertwale.

Verhalten:

Dornhaie treten oft in Schwärmen auf, die aus Tausenden von Tieren bestehen können. Diese Schwärme werden gebildet, um gemeinsam zu jagen, aber auch als Schutz vor Feinden. Gewisse Schwärme bestehen aus schwangeren Weibchen, die ihre Gebärplätze, zum Beispiel die San Francisco Bay, aufsuchen. Weibchen und Männchen leben meist in getrennten Schwärmen, gemischte Gruppen trifft man nur selten. Die Männchen bevorzugen hierbei die flacheren Regionen, wobei Weibchen lediglich ins flache Wasser kommen, um zu gebären.

Dornhaie unternehmen grosse Wanderungen, die einerseits vom Futter, andererseits aber auch durch die Wassertemperaturen beeinflusst scheinen. Das Wanderungsverhalten ist jedoch eher schlecht untersucht. So fand man zwar ein markiertes Tier, das eine Wanderung von 6 500 km gemacht hatte, die Gründe dafür sind jedoch reinste Spekulation.

Zusammentreffen mit dem Menschen:

Die Dornhaie sind zwar harmlos, an der Basis der Dornen wird jedoch ein Gift ausgeschieden. Das Gift kann allerdings nur bei Allergikern zu grösseren Komplikationen führen.

Weiterführende Literatur:

    Cheryl D. Wilga and Philip J. Motta (1998). Conservation and variation in the feeding mechanism of the spiny dogfish Squalus acanthias. J. Exp. Biol 201 (9): 1345-1358.

    Compagno, L. J. V. (1984). Sharks of the world. FAO Species Catalogue. Vol. 4(2): 111-113.

    Hanchet, S. (1988). Reproductive biology of Squalus acanthias from the east coast, South Island, New Zealand. N. Z. J. Mar. Freshwater Res. 22: 537-549

    Walker, T. I., Taylor, B. L., Hudson, R. J. and J. P. Cottier (1998). Implications on recent increases in catches on the dynamics of Northwest Atlantic spiny dogfish (Squalus acanthias). Fish. Res. 39 (2): 139-164.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info



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modifiziert: 04.06.2016 10:48