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Shark Info 2 / 97   (01.09.1997)

Author

  Intro:

Haidrama auf den Galapagos

Shark Info

  Hauptartikel:

Welterbe der Natur in Gefahr

Shark Info

  Artikel 1:

CITES-Konferenz vom 9. bis 20. Juni 1997

Shark Info

  Fact Sheet:

Weshalb der Hammerkopf?

Dr. J. F. Morrissey


Fact Sheet: Hammerhaie

Weshalb der Hammerkopf?

Von Dr. John F. Morrissey

Hammerhaie sind weltweit verbreitet, gelten als äusserst aktive Schwimmer und leben in fast allen warmen, gemässigten und tropischen Meeren. Sie halten sich vor allem in relativ flachem Wasser bis in Tiefen von etwa 270 Meter über den Kontinental- und Inselsockeln auf; eigentliche Hochseevertreter gibt es nicht.

Wie alle ihre Artgenossen besitzen auch sie eine innere Befruchtung; sie machen, ähnlich den Menschen, eine plazentale Entwicklung der Embryonen durch und sind lebendgebärend.

Einige Arten bilden Schulen von mitunter mehreren hundert Tieren. Hammerhaie haben eine sehr breite Nahrungspalette; dazu gehören Knochen- und Tintenfische, andere Haie und Rochen, Krebse, Krevetten und Hummer.

Sie traten erstmals vor 16 Millionen Jahren im unteren Miozän in der Region des heutigen Portugal und Frankreich auf. 1872 wurden sie von der Wissenschaft als eigene Familie (Sphyrnidae) beschrieben. Heute unterscheidet man neun Hammerhaiarten, deren Körperlänge sehr unterschiedlich sind. Beim beim Korona-Hammerhai zum Beispiel (Sphyrna corona) liegt sie unter einem Meter; der Grosse Hammerhai (Sphyrna mokarran)wird bis zu über sechs Meter lang.

Hammerhai Kopf

Illustration: René Kindlimann / Shark Info 1997

Die kleinste und kaum bekannte Art ist der Korona-Hammerhai, er kommt in der Region des östlichen Pazifik vor, vom Golf von Kalifornien bis nach Peru. Der Kleinaugen-Hammerhai (Sphyrna tudes) eine ebenfalls kleine und kaum untersuchte Art der südlichen Karibik, frisst Krevetten und lagert deren Karotin im Gewebe ab, was den Jungtieren eine orange Färbung verleiht; deshalb nennt man sie auch Goldene Hammerhaie . Der Glatte Hammerhai (Sphyrna zygaena) kommt weltweit vor und scheint gegenüber kühlerem Wasser toleranter als andere zu sein, denn ab und zu ist er auch im offenen Wasser zu finden. Die häufigste Art ist der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna zygaena) weltweit verbreitet in warmen, gemässigten und tropischen Gewässern. Ganz allgemein weiss man noch sehr wenig über die verschiedensten Arten, so sind auch die sehr kleinwüchsigen Scoopheads (Sphyrna media) vor Zentral- und Südamerika schlecht untersucht oder auch die bis zu drei Meter langen Weissflossen-Hammerhaie (Sphyrna couardi) , die vorwiegend vor der Küste Senegals und des tropischen Westafrikas vorkommen.

Die Formen und Grössen der Hämmer sind sehr unterschiedlich. Die Extreme finden sich bei zwei kleinen Arten, dem Schaufelkopf-Hammerhai (Sphyrna tiburo) und dem Flügelkopf-Hammerhai (Eusphyra blochii) Die Hammerbreite des Schaufelkopfes beträgt nur etwa einen Fünftel seiner Körperlänge. Diese häufige und gut untersuchte Art mit ihrem schaufelförmigen Kopf lebt in sehr flachem Wasser in Schulen auf beiden Seiten von Zentralamerika. Ihre Hauptbeute sind Krebse, die sie mit ihrem backenzahnartigen Gebiss knacken. Das andere Extrem bezüglich der Kopfgrösse, der Flügelkopf, lebt im Indo-Westpazifik; sein bizarrer, bumerangförmiger Kopf erreicht 50 bis 70% der Körperlänge.

Weshalb es Haie mit einer so seltsamen Kopfform gibt, darüber wird oft gerätselt. Die häufigste vertretene Meinung: sie dient beim Schwimmen als vorderer, horizontaler Stabilisator, so wie die Tragflächen eines Flugzeuges. Beide, Haie und Flugzeuge, erzeugen ihren Auftrieb mit ihren Brustflossen, bzw. Flügeln, erzeugt durch konstantes Schwimmen, bzw. Fliegen. Sobald ein Hai oder ein Flugzeug aufhört, sich zu bewegen, sinkt er, bzw. stürzt es ab. So geht man davon aus, dass der Hammer denselben Effekt hat, wie die Tragflächen eines Flugzeuges. Es gibt Daten, die diese Hypothese unterstützen. Hammerhaie besitzen relativ kurze Brustflossen (Flügel). In der Karibik beispielsweise habe ich belegen können, dass Bullen-, Zitronen- und karibische Riffhaie Brustflossen haben, die etwa 18 bis 21 Prozent ihrer Körperlänge betragen; im Gegensatz zu Grossen Hammerhaien, bei denen die Brustflossen nur 13 bis 15 Prozent ausmachen. Grosse Hammerhaie benötigen keine längeren, da sie zusätzlich den Hammer (Flügel) zur Verfügung haben.

Den Hämmern, auch Cephalofolie genannt, werden neben der Stabilisation weitere Aufgaben zugeschrieben. So meinen einige Biologen, dass sie das sensorische Vermögen vergrösssern; denn die seitliche Ausdehnung des Haikopfes beeinflusst drei wichtige Sinne. Weil die Augen und die Nasenlöcher an den beiden äussersten Hammerenden liegen, verbessern sie die Möglichkeiten des Sehens und Riechens. Es zeigte sich, dass Hammerhaie, im Gegensatz zu anderen Haien, auch dann dreidimensional sehen können, wenn sie direkt nach vorne blicken. Ebenso wurde gezeigt (Johnson und Tester), dass Schaufelkopf-Hammerhaie zu ihrer Linken und Rechten unterschiedlich starke Konzentrationen von Geruchsstoffen unterscheiden können und jeweils zur stärkeren Konzentration schwimmen. Beim Flügelkopf-Hammerhai geht man davon aus, dass er eine extrem gut ausgebildete Geruchswahrnehmung hat, da sich seine Nasengrube entlang der gesamten vorderen Kopfkante ziehen. Schliesslich geht man davon aus, dass beim Hammerhai die Wahrnehmung mit dem elektrorezeptiven Organ effektiver ist als bei anderen Haien. Diese sogenannten Lorenzinischen Ampullen (siehe Fact Sheet Nummer 2 vom 10.2.96) ermöglichen den Tieren das Wahrnehmen selbst geringster elektromagnetischer Felder und damit das Aufspüren von zum Beispiel im Sand vergrabenen Beutetieren, wie etwa Rochen. So wurde im Maul eines Grossen Hammerhais gegen hundert giftige Stacheln von Stechrochen gefunden, von Tieren, die sich vornehmlich im Sand vergraben.

Einigen Biologen glauben, dass die seitlichen Hörner dieser Tiere auch dazu dienen, Konkurrenten zu vertreiben und Räuber einzuschüchtern. So wurde kürzlich in der Karibik ein Hammerhai gefilmt, der einen Stechrochen (Dasyatis americana) fing und frass. Dabei wurde beobachtet, wie der Hai seine Beute mit dem Kopf zu Boden drückte und festhielt, um dann zuzubeissen.

* Dr. John F. Morrissey ist Professor an der Hofstra University, Hempstead, New York, und befasst sich mit Verwandtschaftsbeziehungen von Haien.

Ausgewählte Literatur:

    Johnsen, P. B. and J. H. Teeter. (1985). Behavioral responses of bonnethead sharks (Sphyrna tiburo) to controlled olfactory stimulation. Mar. Behav. Physiol. 11: 283-291.

    Nakaya, K. (1995). Hydrodynamic function of the head in the hammerhead sharks (Elasmobranchii: Sphyrnidae). Copeia 1995(2): 330-336.

    Strong, W. R., Jr., F. F. Snelson, Jr. and S. H. Gruber. (1990). Hammerhead shark predation on stingrays: An observation of prey handling by Sphyrna mokarran. Copeia 1990(3): 836-840.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. John F. Morrissey



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modifiziert: 04.06.2016 10:48