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Shark Info 4 / 01   (15.12.2001)

Author

  Intro:

Trauerspiel

Shark Info

  Hauptartikel:

Trauerspiel um Hammerhaie auf Fuerteventura

Volker Berbig

  Artikel 1:

Verbot von Haif├╝tterungen in Florida

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 2:

Kontrolliertes Haitauchen in S├╝dafrika

Andrew C. Cobb

  Artikel 3:

Fragen und Antworten

Shark Info

  Fact Sheet:

Glatter Hammerhai

Dr. E. K. Ritter


Kontrolliertes Haitauchen in Südafrika

Von Andy Cobb

Mit dem Regierungswechsel kam es in Südafrika auch zu verschiedenen Gesetzesänderungen in der Verfassung.

Weisser Hai

Käfigtauchen mit Weissen Haien (Carcharodon carcharias) ist eine der Tourismusattraktionen Südafrikas.

© Klaus Jost / Hai-Stiftung

Ein neues Gesetz wurde dabei bevorzugt in öffentlichen Anhörungen diskutiert und danach in ein Vernehmlassungsverfahren geschickt. Diese Vorgehensweise bewirkte nun erstmals, dass innerhalb der Gesetzgebung rund um den Tourismus auch marine Aspekte gesetzlich verankert wurden. Der marine Ökotourismus spielt in Südafrika eine wichtige Rolle. Speziell das Käfigtauchen mit Weissen Haien (Carcharodon carcharias), das vorwiegend in der Region von Gansbaai (ca. 120 km südöstlich von Kapstadt) angeboten wird und das Tauchen mit Sandtigerhaien (Carcharias taurus) in der Region Durban sind wichtige Zentren dieser Tourismusbranche. Ein sehr wichtiger Punkt bei einer gesetzlichen Regelung dieser Tauchaktivitäten ist, dass die Tiere in keiner Form beeinträchtigt oder gar verletzt werden dürfen. Die für ein solches Gesetz zuständige Regierungsstelle ist das «Marine Coastal Management» (MCM). Das MCM vergibt und kontrolliert zudem Lizenzen und ist verantwortlich dafür, dass die Lizenznehmer sich an die einschlägigen Richtlinien (Code of Conduct) halten. Diese schreiben vor, wie mit Wildtieren umzugehen ist.

Aliwal Shoal – Umkomaas

Sandtigerhai

Ein Sandtigerhai (Carcharias taurus), wie er im Gebiet der Aliwal Shoal vorkommt.

© Hai-Stiftung

Eine problematische Region für die Erstellung von Richtlinien sind die «Aliwal Shoal» (siehe auch Shark Info 1/2000) Tauchplätze vor Umkomaas an der Kwa Zulu Küste in Natal. Diese Region erlangte vor einigen Jahren weltweite Bekanntschaft wegen ihrer hohen Dichte an Sandtigerhaien. Sandtigerhaie sind einige der wenigen Grosshaiarten, die auf ihren Wanderungen über längere Zeit an einem Ort verweilen. Der zunehmende Druck durch Taucher, verbunden mit der zeitweise eher sesshaften Lebensweise dieser Haiart bewirkte aber, dass immer mehr Tiere in ihrer natürlichen Verhaltensweise gestört wurden. Eine Beeinträchtigung ihres Lebensraumes war die direkte Folge. Die Beeinträchtigung wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass Tauchanbieter in der selben Region damit begannen, Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) mit Futter anzulocken. Neben Sandtigerhaien waren nun auch noch Tigerhaie eine Attraktion und der finanzielle Aspekt begann eine tragende Rolle zu spielen. Gerade diese Kommerzialisierung machte es unabdingbar, dass nur noch eine gezielte und kontrollierte Form des Tauchens in dieser Region zugelassen werden durfte. Zwei Punkte wurden wichtig. Zum einen musste verhindert werden, dass die Sandtigerhaie zu stark in ihrer Verhaltensweise gestört wurden, zum anderen mussten unbedingt Unfälle mit den Tigerhaien vermieden werden.

Erstellung eines «Code of Conduct»

Diese zunehmenden Konflikte führten am 18. August 2001 zu einem offenen Gespräch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen und der MCM Leitung. Alle Interessensgruppen kamen zu Wort und konnten sich für oder gegen eine Fütterung der Haie um Aliwal Shoal äussern. Die Entscheidung der MCM war, dass die Aktivitäten reglementiert werden müssten und verschiedene Forderungen, die in einer ersten Phase getestet werden sollten, wurden ausgearbeitet. Eine erste Forderung sah vor, dass alle beteiligten Tauchanbieter angewiesen werden müssen, ein Logbuch über ihre Ausfahrten zu führen. So sollte festgestellt werden, wie viele Taucher tatsächlich die Region von Aliwal Shoal besuchen. Daneben wurde auch eine Gebührenpflicht eingeführt, die zwischen kommerziellen Anbietern und Freizeitsportlern unterschied. Da es sich bei dieser Region um einen - taucherisch gesehen - eher anspruchsvollen Tauchplatz handelt, wurde dort jegliche Form von Tauchausbildung verboten. Dies sollte verhindern, dass die Sandtigerhaie durch unkontrollierte Taucher noch stärker gestört würden. Einer der wichtigsten Punkte war, dass Tigerhaie nicht näher als in einem Radius von einem Kilometer um die eigentliche Aliwal Shoal durch Fütterungen angelockt werden dürfen.

Haiausbildung für Tauchanbieter

Ein weiterer Schritt hin zur Eliminierung möglicher Belästigungen der Sandtigerhaie ist die biologische Ausbildung der Tauchanbieter. Diejenigen unter ihnen, die weiterhin Taucher zu den Haien bringen möchten, müssen Haikurse besuchen, um den Tauchtouristen einerseits die notwendigen Informationen zukommen lassen zu können, andererseits aber auch um selbst besser informiert zu sein. Die Tauchleiter müssen in der Lage sein, mögliche Veränderungen im Verhalten der Haie zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Eine solche Ausbildung geschieht in Anlehnung an die THETA (Tourism Hospitality Sports Education Training Act), der Dachorganisation für die Ausbildung von Tourleitern in Südafrika. Das erste Treffen zwischen THETA und bereits ausgebildeten Haitauchern, sanktioniert durch die lokalen Tauchverbände, wurde Ende September 2001 in Kapstadt durchgeführt. Ziel des Treffens war, Ausbildungsrichtlinien auszuarbeiten, um als THETA zugelassener Haitourguide akzeptiert zu werden.

Fazit

Die neue Regierung Südafrikas erwirkte, dass nun auch Haie, wie bereits Wale und Seehunde, als marine «Tourismus-Art» anerkannt sind. Dies ermöglicht eine gesetzliche Kontrolle der Tourismusaktivitäten um Haie. Jegliche Form der Belästigung dieser Tiere muss nun auf ein Minimum reduziert werden und es kann schnell reagiert werden, falls weitere Schutzmassnahmen notwendig werden sollten. Ab 2002 wird Aliwal Shoal unter dem neuen Gesetz als eine Naturschutzzone anerkannt.

* Andrew C. R. Cobb ist ein prominenter Hai-Schützer in Südafrika

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Andy Cobb



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modifiziert: 04.06.2016 10:48