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Shark Info 4 / 01   (15.12.2001)

Author

  Intro:

Trauerspiel

Shark Info

  Hauptartikel:

Trauerspiel um Hammerhaie auf Fuerteventura

Volker Berbig

  Artikel 1:

Verbot von Haif├╝tterungen in Florida

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 2:

Kontrolliertes Haitauchen in S├╝dafrika

Andrew C. Cobb

  Artikel 3:

Fragen und Antworten

Shark Info

  Fact Sheet:

Glatter Hammerhai

Dr. E. K. Ritter


Fragen und Antworten

Bericht Shark Info

Im Frühling 2001 wurde die Öffentlichkeit durch eine Serie von Meldungen über Haiunfälle aufgeschreckt. Shark Info und die Hai-Stiftung wurden mit den unterschiedlichsten Fragen zum Thema Haie, Hai-Unfälle und Hai-Biologie geradezu überschwemmt. In diesem und folgenden Shark Infos, sowie auf den Web-Seiten www.sharkinfo.ch und www.hai.ch werden wir eine Auswahl dieser Fragen und Antworten vorstellen. Die Fragen werden von Dr. A. Godknecht, Präsident der Hai-Stiftung und Redaktor bei Shark Info, beantwortet.
Falls auch Sie Fragen zu einem speziellen Hai-Thema haben, die Sie an dieser Stelle beantwortet haben möchten, senden Sie uns die Frage doch einfach per E-Mail an hai@hai.ch oder sinfo@sharkinfo.ch oder per Fax an +41 1 311 67 22.

  1. Die Zahl der Hai-Angriffe scheint, zumindest den vielen Medienberichten nach zu urteilen, anzusteigen. Trifft dies zu und wieviele sind es?

    Die Häufigkeit der Hai-Unfälle steigt seit Anfang dieses Jahrhunderts langsam an. Jährlich werden vom ISAF (International Shark Attack File) weltweit 70-100 Haiunfälle bei nicht professionellen Wasseraktivitäten registriert. Von diesen Unfällen enden in der Regel NUR 5-15 tödlich. Verglichen mit den jährlich ca. 15 Milliarden Bade-, Schwimm und Surfereignissen ist das extrem wenig. Die Dunkelziffer liegt allerdings höher, denn die Länder der Dritten Welt informieren aus Imagegründen nur selten über Haiunfälle. Auf der anderen Seite werden vom ISAF auch harmloseste Kratzer als Haiattacken verbucht, obwohl dies eigentlich nur Haiberührungen wären.
    2001 ist bis jetzt ein Jahr mit einer - statistisch gesehen - im Rahmen liegenden Unfallhäufigkeit.

  2. Warum steigt die Zahl der Hai-Angriffe?

    Die sehr langsam steigende Zahl der Unfälle hat mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Da immer mehr Menschen am Meer Ferien machen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Menschen einem Hai begegnet und entsprechend die Gefahr eines Unfalles. Gegenläufig zur zunehmenden Zahl von Wasseraktivitäten wirkt sich jedoch die schnell abnehmende Zahl der Haie, die Menschen überhaupt gefährlich werden können, auf die Unfallwahrscheinlichkeit aus.
    Hundert Hai-Unfälle auf jährlich 15 Milliarden Wasseraktivitäten sind wirklich sehr wenig.
    Ein weiterer Punkt ist die immer stärkere internationale Vernetzung der Medien. Wir lesen selten, was vor einer Woche irgendwo auf der Welt passiert ist. Das ist nicht mehr aktuell und somit uninteressant. Wenn aber gestern ein Surfer in Australien oder Hawaii von einem Hai gebissen wurde, schafft es diese Meldung in die Medien. Wird häufiger über Unfälle berichtet, haben wir das subjektive Gefühl, dass deren Zahl steigt.

  3. Wie schwer sind Hai-Unfälle in der Regel?

    Wenn wir von einem Hai-Unfall hören, erscheinen vor unserem geistigen Auge oft Bilder wie in dem Film «Der Weisse Hai». Viele der Hai-Unfälle, über die aus Gründen der Aktualität sehr oberflächlich in den Medien berichtet wird, sind harmlose Bissverletzungen. Wirklich schwere Unfälle sind eher selten. Ein Junge, dessen Kopf von einem Hai abgebissen wurde, ist, wie sich später bei einer genaueren Untersuchung des GSAF (Gloabal Shark Attack File) herausstellte, nicht von dem Hai getötet worden sondern war bereits vorher ertrunken. Dieser Befund kam jedoch NICHT in den Medien.
    Auch bei der Serie von Unfällen in Florida, die vor ein paar Monaten durch die Medien ging, gab es fast keine Todesfälle. Viele der Unfälle waren Zusammenstösse mit Schwarzspitzenhaien. Diese Haie werden durchschnittlich 1.50 m gross und sind damit zu klein, um Menschen wirklich gefährlich zu werden.

  4. Fressen Haie Menschen?

    Haie fressen in der Regel keine Menschen, denn Menschen passen nicht ins Nahrungsspektrum der Haie. Bei vielen der untersuchten Bisswunden kann fast kein Gewebeverlust festgestellt werden. Die Haie beissen zu, lassen dann aber sofort wieder ab, denn Menschen schmecken ihnen nicht. Bei grossen Haien wie Weissen Haien, Tigerhaien oder Bullenhaien kann so ein Testbiss jedoch durch Schock und Blutverlust schnell fatale Folgen haben. Dass es so wenig Todesfälle gibt, zeigt, wie selten Unfälle mit Grosshaien und Menschen passieren.

  5. Welche Haiarten sind wirklich gefährlich?

    80% aller Haiarten werden nicht einmal so gross wie ein Mensch. Sie sind somit allein von ihrer Grösse her harmlos. Die am häufigsten in Unfälle verwickelten Haiarten sind: Weisser Hai (Carcharodon carcharias), Bullenhai (Carcharhinus leucas), Schwarzspitzenhai (Carcharhinus limbatus), Tigerhai (Galeocerdo cuvier), Sandtigerhaie (Carcharias taurus), Hammerhaie (Sphyrna spp.).
    Die Unfälle mit Weissen Haien sind wahrscheinlich jedoch überbewertet, denn grosse Bullenhaie haben das gleiche Bissmuster wie ein mittelgrosser Weisser Hai, so dass es wahrscheinlich häufig zu Verwechselungen beim Bestimmen der Art kam.

  6. Haie haben den Ruf als Fressmaschinen sicher zum Teil auch dadurch, dass ab und zu seltsame Gegenstände wie Nummernschilder in ihren Mägen gefunden werden. Warum schlucken sie solche Gegenstände?

    Diesen Ruf haben die Haie fast ausschliesslich den Tigerhaien zu verdanken. Tigerhaie sind regelrechte Allesfresser unter den Haien und haben das breiteste Nahrungsspektrum.
    Metallische Gegenstände ändern das elektrische Feld in ihrer Umgebung (galvanische Ströme). Da Haie elektrische Sensoren (die Lorenzinischen Ampullen) zum Auffinden ihrer Beute einsetzen, verwechseln die Tigerhaie eventuell die metallischen Gegenstände mit Beute. Möglicherweise gibt es jedoch auch ganz andere Gründe dafür.
    Prinzipiell ist zu sagen, dass wenn man in einem Haimagen mal ein Nummernschild gefunden hat, dies nicht typisch für alle Haie ist. Kinder verschlucken auch ab und zu eher seltsame Gegenstände, das heisst aber noch lange nicht, dass sich die Menschheit z.B. von Nägeln oder Plastikspielzeug ernährt.

  7. Wie stehen Sie bzw. die Hai-Stiftung zur Frage der Hai-Fütterungen in Florida?

    Bis anhin konnte kein Zusammenhang zwischen Fütterungsaktivitäten und Haiunfällen nachgewiesen werden. Die Umweltschutzgruppen argumentieren da eher aus einem Gefühl heraus.

    Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Thema anzugehen:

      Biologisch
      Haie sind wilde Tiere und sollten entsprechend auch als solche behandelt werden. Stock oder Handfütterungen sind sicherlich Fütterungsarten, die gefährlich für den Menschen sind, da die Haie nur selektiv gefüttert werden können. Das führt oft zu Reiberein unter den Haien um die Nahrung und kann schlussendlich zu Verletzung der Taucher führen. Möglicherweise wird mit der Zeit jedoch wirklich das Interesse der Haie an Menschen erweckt und sie verbinden Menschen mit Nahrung. Das wäre nicht der erste solche Fall.
      Konditionierung von Wildtieren hat immer negative Auswirkungen auf den Menschen und das Tier. Ein gutes Beispiel sind die Bisse von angefütterten Stadtfüchsen in Zürich.

      Es gibt jedoch eine Fütterungsart, die eine natürliche Situation nachbaut, das sogenannte Chumsicle. Ein Chumsicle ist ein gefrorener Block aus Fischen, der sich im Meerwasser langsam auflöst. Es entspricht somit einem grossen, toten Fisch, der im Wasser treibt, einer im Meer ganz normalen Situation also. Am Chumsicle können sich die Haie frei und entsprechend ihrer natürlichen Rangordnung Nahrung holen. Die Beobachter sind in der Regel 10-20 m vom Chumsicle entfernt und werden somit nicht in Zusammenhang mit Futter gebracht. Meiner persönlichen Meinung nach ist ein zufälliges Zusammentreffen mit einem Hai unter Wasser jedoch wesentlich reizvoller als ein Hai-Rodeo, wie es bei den kommerziellen Hai-Tauchgängen angeboten wird. So ein zufälliges Treffen lässt sich jedoch nicht immer arrangieren und somit schlecht verkaufen.

      Hai-Schutz und Öffentlichkeitsarbeit
      Das Fleisch eines Hais durchschnittlicher Grösse bringt heute auf dem Markt rund 30-40 Franken, seine Flossen nochmals, je nach Art zwischen 300 und 500 Franken. Dies steht in keinem Verhältnis zu seinem «Tourismus-Marktwert». Dieser wird zum Beispiel auf den Bahamas auf rund 27'000 Franken pro Hai geschätzt, und das nicht einmalig, sondern jährlich. Entsprechend werden in den Bahamas Haie nicht mehr wahllos zu hunderttausenden geschlachtet, sondern die Regierung versucht eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Tourismus-Attraktionen durchzusetzen. Ähnliche Überlegungen sollen auch die stark bedrohten Walhaibestände in Taiwan und anderen asiatischen Ländern schützen helfen, wo immer mehr Walhai-Watching Trips angeboten werden.
      Taucher, die schon einmal mit Haien getaucht sind, sind gute Botschafter für die «Rettung der Haie». So werden sich die Regierungen eines Tages - hoffentlich - durch öffentlichen Druck und aus kommerziellem Interesse gezwungen sehen, ihre Hai-Bestände nachhaltig zu bewirtschaften und zu erhalten, anstatt sie den kommerziellen Fischern zur skrupellosen Ausbeutung zu überlassen.

    Somit sind Hai-Fütterungen zwar biologisch sicher nicht zu rechtfertigen, Fütterungen mit einem Chumsicle oder Walhai-Watching stellen jedoch einen Kompromis zwischen Biologie und dem Erhalt der bedrohten Hai-Bestände dar. Würde man Fütterungen zum Schutz der Haie verbieten, gäbe es womöglich bald nichts mehr zu schützen.

    Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info



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modifiziert: 04.06.2016 10:48