Shark Info Logo


Shark Info 3 / 99   (15.10.1999)

Author

  Intro:

Das Kreisen der Haie

Dr. E. K. Ritter

  Hauptartikel:

Das Kreisen der Haie um vermeintliche Opfer

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Was wissen Sie über die Gehirne und Nasen der Haie?

Dr. J. F. Morrissey

  Artikel 2:

Filmkritik: Deep Blue Sea

Shark Info

  Artikel 3:

Jährlicher Haikongress in Pennsylvania

Shark Info

  Artikel 4:

IUCN: Haischutz ohne Biss

Shark Info

  Fact Sheet:

Bullenhaie

Dr. E. K. Ritter


Filmkritik: Deep Blue Sea

Von Shark Info / Hai-Stiftung

Ende Oktober kommt der neue Hai-Film «Deep Blue Sea» in die Schweizer Kinos. Mit «Deep Blue Sea» haben es Warner Bros. wieder einmal geschafft, der Geschichte der «Weisse Hai» (im Original «Jaws», auf deutsch Kiefer) ein weiteres, trauriges Kapitel hinzuzufügen. Diesmal werden alle psychologischen Register gezogen, nicht nur übermächtige Haie sondern auch die für Laien schwer verständliche und dadurch in's Zwielicht geratene Molekularbiologie müssen für den Horrortrip herhalten. Die mehr schlecht als recht computeranimierten Hauptdarsteller sind diesmal zwar keine Weissen, sondern Makohaie (Isurus ???). Das ist jedoch unwichtig, Hauptsache die Kinokassen klingeln. Der Film ist das für dieses Genre typische Gemisch aus Science Fiction, pseudowissenschaftlichen Halbwahrheiten und natürlich dem Speck in der Suppe, den äusserst brutalen Szenen. Amerikanisch «politisch korrekt», kein Sex aber dafür viel Gewalt und Brutalität. Wen interessiert es in Hollywood schon, dass sich sogar der Autor des Buches «Jaws», Peter Benchley, von seinem «Werk» distanziert hat, nachdem er auf die weltweit verheerenden Folgen des Films für die Haie aufmerksam gemacht wurde.

Worum es geht

Dr. Susan McAlester hat die Erbsubstanz von drei Makohaien molekularbiologisch verändert, um aus ihren Hirnen ein Wundermittel gegen Alzheimer, woran zufälligerweise auch ihr Vater leidet, zu extrahieren. Ihre Genmanipulationen waren natürlich unethisch und ihre Kollegen auf Aquatica, dem Forschungslabor mitten im Ozean, lassen sie das auch spüren. Zu allem Übel hat Dr. McAlester auch noch Probleme mit ihren Sponsoren, die endlich Resultate sehen möchten und ihr ein entsprechendes Ultimatum stellen. Als sie dann das «Wundermittel» aus dem Hirn eines der Makos extrahiert, kommt es wie es kommen muss, der Hai entkommt, versucht die anderen Haie zu befreien und richtet dabei schweren Schaden in Aquatica an. Es wäre keine Hollywood Produktion, wenn nicht gerade zu diesem Zeitpunkt auch noch ein schwerer Sturm losbrechen würde, der das sinkende Aquatica beutelt. Nun geht es los, Mensch gegen die von ihm geschaffenen Monstermakos. Ein schwerer Kampf, denn die Haie sind durch die Genmanipulation auch noch grösser, stärker und intelligenter als ihre unmanipulierten Artgenossen geworden. Die Jagd besteht aus äusserst brutalen Szenen, in denen die Haie wie gewohnt diverse Extremitäten abbeissen und die meisten Akteure getötet werden. Auffallend ist, dass den Regisseur Renny Harlin zeitweise offenbar die Phantasie verlassen hat, denn einige der Szenen erinnern sehr stark an den «Weissen Hai» eins und zwei.

Natürlich ist am Ende die Welt wieder in Ordnung. Die unethische Wissenschaftlerin hat sich geopfert, alle Haie sind tot und es gibt immerhin zwei Überlebende.

Was sollen wir daraus lernen? Der Mensch ist halt doch schlauer als ein Hai, auch wenn dieser genmanipuliert ist? Oder dass heutzutage mit genügend Werbung jede Story verkauft werden kann?

Enttäuschend sind neben der Geschichte auch die Hai-Animationen, die in keiner Weise an die der Saurier in «Jurassic Park» anknüpfen können. Die Computer-Makos könnten, ausser in ihrem Computer-Ozean, niemals schwimmen. Um vorwärts zu kommen wedeln sie zum Beispiel nur mit den Schwänzen, anstatt wie ein wirklicher Hai den gesamten Körper dafür einzusetzen. Offensichtlich haben sich die Animateure mehr aufs Ab- und Zerbeissen von Körperteilen konzentriert, als auf natürliche Bewegungsabläufe.

Der Film ist auch in bezug auf die Personen nur aufs Schocken ausgelegt. Gaben sich die Regisseure der ersten «Jaws» Filme noch Mühe, neben dem Hai auch die handelnden Personen glaubwürdig auszuarbeiten, ist dies in Deep Blue Sea trotz bekannter Schauspieler wie Samuel L. Jackson nicht besonders überzeugend geschehen. Die Charaktere sind flau und nicht sehr überzeugend.

Wir empfehlen Ihnen, sich diesen Film aus Prinzip nicht anzusehen, um die Geldmacherei mit dem Hai-Horror nicht zu unterstützen. Eine Entscheidung, die im Angesicht der doch sehr flauen Story und mittelmässigen Animationen etwas leichter fallen sollte.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Shark Info / Hai-Stiftung



  top

 

modifiziert: 04.06.2016 10:48