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Shark Info 3 / 99   (15.10.1999)

Author

  Intro:

Das Kreisen der Haie

Dr. E. K. Ritter

  Hauptartikel:

Das Kreisen der Haie um vermeintliche Opfer

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Was wissen Sie über die Gehirne und Nasen der Haie?

Dr. J. F. Morrissey

  Artikel 2:

Filmkritik: Deep Blue Sea

Shark Info

  Artikel 3:

Jährlicher Haikongress in Pennsylvania

Shark Info

  Artikel 4:

IUCN: Haischutz ohne Biss

Shark Info

  Fact Sheet:

Bullenhaie

Dr. E. K. Ritter


Fact Sheet: Bullenhaie

Von Dr. Erich K. Ritter

Bullenhai

Der Bullenhai (Carcharhinus leucas).

© Hai-Stiftung

Verbreitung:

Bullenhaie (Carcharhinus leucas) sind nahezu weltweit in tropischen und subtropischen Gewässern zu finden, wobei sie sich bevorzugt in Flussnähe oder sogar in den Flüssen selbst aufhalten. Sie gehören zu den wenigen Arten, die auch im geschlechtsreifen Zustand im Süsswasser leben können. So findet man sie in verschiedenen Flüssen wie zum Beispiel dem Mississippi, dem Amazonas oder dem Sambesi. Im Mississippi trifft man Bullenhaie bis hinauf nach Illinois, und im Amazonas bis zu 3 500 km landeinwärts an. Aber auch in Süsswasserseen wie dem Nicaragua- oder auch dem Izabelsee (Guatemala) gibt es Bullenhaie. Dabei handelt es sich nicht um Einzeltiere, sondern meistens um ganze Populationen. Ihre Fähigkeit unterschiedliche Salzgehalte zu ertragen, macht sie aber auch in Brackwassersystemen zu einer der häufigsten Haiarten, wie zum Beispiel im Indian River System bei Cape Canaveral (Florida). Bullenhaie leben oft so lange im Süsswasser, dass sich ihr Stoffwechsel dem fehlenden Salz anpasst.

Erkennungsmerkmale und Erscheinungsbild:

Bullenhaie können bis zu 350 cm lang und 230 kg schwer werden. Gerade ihre massige Gestalt ist dabei sehr auffallend. Weiter fällt auch ihre kurze und runde Schnauze auf. Entgegen anderen Grauhaiarten der Familie Carcharhinidae haben Bullenhaie auffallend kleine Augen. Das auffälligste Merkmal ist jedoch die erste Rückenflosse, die wie ein gleichseitiges Dreieck geformt ist. Der Körper ist blass gefärbt, mit dunkelgrauem Rücken und weissem Bauch. Die Flossenenden sind bei Jungtieren schwarz, diese Färbung verschwindet allerdings mit zunehmendem Alter.

Ernährung:

Bullenhaie haben ein sehr breites Nahrungspektrum, das von Knochenfischen, Weichtieren und Krebsen, bis hin zu anderen Haiarten und Rochen reicht. Bullenhaie gehören zu den wenigen Arten, die auch kannibalistisch sind und Artgenossen fressen.

Fortpflanzung:

Wie alle anderen Vertreter der Familie der Carcharhinidae sind auch die Bullenhaie lebendgebärend und bekommen 1-13 Junge pro Wurf. Die Schwangerschaft dauert 10 -11 Monate. Männchen erreichen die Geschlechtsreife mit einem Alter von zirka 14 - 15 Jahren, Weibchen erst mit zirka 18 Jahren. Obwohl Bullenhaie keine eigentliche Aufzucht betreiben, bringen sie, ebenso wie die meisten anderen Haiarten, ihre Jungen in geschützten Küstenregionen zur Welt. Entsprechend findet man junge Bullenhaie in den flachen Regionen vieler Uferzonen rund um die Welt. Diese Kinderstuben erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der Jungtiere. Bullenhaijunge wachsen sehr langsam und sind entsprechend lange der Gefahr von Räubern ausgesetzt, wobei grössere Haie die Hauptgefahr darstellen. Grössere Räuber vermeiden jedoch die flachen Regionen.

Nutzung und Fischerei:

Da diese Haiart sich bevorzugt in ufer- und küstennahen Regionen aufhält, wird sie oft Opfer der Küstenfischerei. Meistens werden sie mit Langleinen befischt, tauchen jedoch auch häufig als Beifang auf. Obwohl Bullenhaie auf der Liste der gefährdeten Arten momentan nur den Status geringes Risiko (IUCN-Status: lower risk) haben (siehe auch Artikel «Haischutz ohne Biss» in dieser Ausgabe), muss angenommen werden, dass sie in absehbarer Zeit den bedrohten (IUCN-Status: endangered) Zustand erhalten werden. Nicht zuletzt auch weil die Kinderstuben dieser Art mehr und mehr durch Menschenhand zerstört werden.

Unfälle:

Da Bullenhaie sich oft in Flüssen oder Mündungsgebieten aufhalten, kann es zu Unfällen mit Menschen kommen. Entsprechend haben Bullenhaie in verschiedenen Regionen dieser Erde einen eher schlechten Ruf. In Südafrika sind sie beinahe ebenso gefürchtet wie die Weissen Haie (Carcharodon carcharias) Dabei ist es nicht immer leicht festzustellen, welche der beiden Arten in einen Unfall verwickelt war. Die Unfallopfer können sich selten genau an den Hergang erinnern und ihre Beschreibungen des Hais sind oft ungenau. Entsprechend kann nach einem Unfall die Haiart oft nur noch anhand der Bissspuren festgestellt werden. Bullenhaie und Weisse Haie haben aber sehr ähnliche, dreieckige Zähne.

Bullenhai Gebiss Weisser Hai Gebiss

A: Kiefer eines Bullenhais (Carcharhinus leucas).
B: Kiefer eines Weissen Hais (Carcharodon carcharias).

© Hai-Stiftung

Literatur:

    Branstetter, S. und R. Stiles (1987). Age and growth estimates of the bull shark, Carcharhinus leucas, from the northern Gulf of Mexico. Env. Biol. Fish. 20 (3): 169 - 181.

    Compagno. L. V. (1984). FAO Species Catalogue. Sharks of the World: Vol 4, Part 2: 478 - 481.

    Cliff, G. und S. Dudley (1991). Sharks caught in the protective gill nets off Natal, South Africa. 4. The bull shark Carcharhinus leucas Valenciennes. S. Afr. J. Mar. Sci. 10: 253 - 270.

    Ritter, E. K. (1996). Evolution of sharks: hints for successful management strategies. Shark News: 6.

    Thorson, T .B. (1971). Movement of the bull shark, Carcharhinus leucas, between the Caribbean sea and Lake Nicaragua demonstrated by tagging. Copeia 2: 336-338.

* Dr. Erich K. Ritter ist Haibiologe und Adjunct Assistenz Professor an der Hofstra Universität, New York.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. Erich K. Ritter



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modifiziert: 04.06.2016 10:48