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Shark Info 2 / 02   (20.07.2002)

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  Intro:

Wissenschaft hilft dem Weissen Hai

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  Hauptartikel:

Modernste Wissenschaft hilft dem Weissen Hai

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  Artikel 1:

Die Rolle von CITES im Schutz und Management von Haien

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  Artikel 2:

Hai-Ausstellung in Z├╝rich

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  Artikel 3:

Haie in Forschung und Wirtschaft

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  Artikel 4:

Dr. Erich Ritters Unfall mit einem Bullenhai

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  Fact Sheet:

Lachshai

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Modernste Wissenschaft hilft dem Weissen Hai

Bericht Shark Info

Weisser Hai

Die Weissen Haie (Carcharodon carcharias) gehören zu den am meisten bedrohten Haien. Dennoch werden sie immer noch gefangen und ihr Fleisch landet auf den Fischmärkten.

© Klaus Jost / Hai-Stiftung

Der Weisse Hai (Carcharodon carcharias) ist weltweit die bestgeschützte Haiart. Er erscheint in der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) unter den «verletzlichen» Arten (Kategorie A1bcd+2cd). Bei CITES wird er momentan noch im Anhang III geführt, das heisst, dass der Handel mit Weissen Haien überwacht werden muss. Anstrengungen werden von Seiten Australiens und der USA unternommen, die Weissen Haie in den Anhang I von CITES aufzunehmen. Im Anhang I werden Tiere und Pflanzen geführt, die direkt vom Aussterben bedroht sind. Der Handel mit Anhang I Arten ist, ausser für wissenschaftliche Zwecke, global untersagt.

Doch trotz aller Anstrengungen, die Weissen Haie zu schützen, ist die effektive Durchsetzung von Schutzmassnahmen auf der Ebene des internationalen Handels äusserst problematisch. Dies liegt hauptsächlich daran, dass es zur Zeit noch fast unmöglich ist, den Handel mit Weissen Haien nachzuweisen. Speziell dort, wo neben Weissen Haien auch nahe verwandte Arten, die nicht unter Schutz stehen, gehandelt werden, ist die Identifikation von ihrem Fleisch, ihren Flossen oder von bereits verarbeiteten Rümpfen beinahe unmöglich. Vor diesem Problem stehen die Haischützer und Zollüberwacher natürlich nicht nur bei Haien, dies gilt für alle geschützten Arten, deren Schwesterarten gehandelt werden dürfen.

Im Labor von Professor Mahmood Shivji an der Nova Universität, Dania Beach, Florida, wurde nun eine einfache Methode entwickelt, um auch für kleinste Gewebeproben nachzuweisen, ob sie von Weissen Haien stammen. Die Methode kann auch dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn überprüft werden muss, ob in einem Gemisch aus Gewebe unterschiedlichster Haiarten, wie z.B. in Knorpelpräparaten, auch Teile von Weissen Haien verarbeitet wurden.

Prof. Shivji arbeitet seit mehreren Jahren im Bereich der molekularbiologischen Analyse von Haien und ihrer Identifikation. Die Hai-Stiftung unterstützt seine für den Haischutz sehr wichtige Forschung seit Anfang 2000.

Bis anhin erforschte Prof. Shivji die Identifikation verschiedener, kommerziell genutzter Haiarten anhand kleinster Gewebeproben. Er kann mit seinen molekularbiologischen Methoden, über die wir in «Die Molekularbiologie hilft Haie zu schützen» (Shark Info 1/2000) berichteten, 16 verschiedene Haiarten identifizieren.

Diese Methoden sind für statistische Analysen von Fängen und wissenschaftliche Untersuchungen ausreichend sicher, doch im internationalen Handel wird mit harten Bandagen gekämpft. Nachweismethoden, die vor internationalen Gerichten anerkannt werden sollen, müssen doppelte und dreifache Sicherungen enthalten. Die neue Methode, die in Prof. Shivjis Labor entwickelt wurde, arbeitet mit fünf Sonden in einem einzigen Arbeitsschritt (Pentaplexer PCR-Test) und wird diesen Anforderungen mit grösster Wahrscheinlichkeit genügen.

Während die «einfache» Methode nur ein besonders gut geeignetes Gen untersucht, beinhaltet die neue Nachweismethode für Weisse Haie die gleichzeitige Analyse von einer Basensequenz des Zellkerns und einem Gen aus den Mitochondrien im selben Arbeitsschritt. Da sie die Differenzen der DNA zweier Zellorganellen nutzt, wird sie auch als Bi-Organellen-Test bezeichnet. Als zusätzliche Sicherheit ist bei dem Test noch eine weitere Reaktion eingebaut, durch die festgestellt werden kann, ob die Nachweisreaktion überhaupt stattgefunden hat.

Gel

Mit Hilfe einer sogenannten Agarose Gel-Elektrophorese werden die Reaktionsprodukte des Bi-Organellen PCR Tests sichtbar gemacht. Mit dieser Methode kann Gewebe von Weissen Haien anhand des Bandenmusters eindeutig identifiziert werden.

© Mahmood Shivji / Hai-Stiftung

Shivji hat seinen Bi-Organellen-Test zudem sehr intensiv getestet. Zuerst musste festgestellt werden, ob wirklich die richtigen Erkennungs-Sequenzen aus dem Genom der Weissen Haie ausgewählt wurden.

Die Sequenzen mussten spezifisch für Weisse Haie sein, durften aber nicht so spezifisch sein, dass sie nur gewisse Populationen der Weissen erkennen. Shivji testete also Gewebeproben von 53 Weissen Haien, die in allen Regionen der Ozeane gesammelt wurden. Alle 53 Haiproben wurden vom seinem Test als positiv erkannt.

In einem zweiten Schritt musste festgestellt werden, ob der Test spezifisch genug ist, Weisse Haie von ihren Schwesterarten zu unterscheiden, denn hier besteht in der Praxis die grösste Verwechslungsgefahr. Shivji testete also vier andere Arten der Familie Lamnidae: Heringshaie (Lamna nasus), Kurzflossen Mako (Isurus oxyrinchus), Langflossen Mako (Isurus paucus) und Lachshaie (Lamna ditropis). Auch hier bestand der Test. In allen vier Fällen verlief der Test negativ. Er war also spezifisch genug, um auch sehr nahe verwandte Arten von den Weissen unterscheiden zu können.

Für den Einsatz in der Fischfangindustrie mussten nun weitere Haiarten getestet werden, speziell die Arten der Ordnungen der Makrelenhaie (Lamniformes) und der Grundhaie (Carcharhiniformes), die den grössten Teil der kommerziell befischten Haiarten darstellen, sowie, sicherheitshalber, diverse Arten von anderen Ordnungen.

Für diese Tests wurde die DNA von verschiedenen Haiarten gemischt und das Gemisch mit der neuen Nachweismethode getestet. Auch hier war der Test erfolgreich. Er zeigte hochspezifisch nur dann ein positives Resultat, wenn im Gemisch DNA von Weissen Haien vorhanden war.
Alles in allem wurden 68 verschiedene Haiarten getestet. In allen Fällen erfüllte der Bi- Organellen-Test sämtliche Anforderungen an seine Zuverlässigkeit. Schlussendlich spielen beim Artenschutz auch finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle. Shivjis Test benötigt keine Reagenzien oder Laboreinrichtungen, die nicht in jedem standardmässig ausgerüsteten biochemischen Labor vorhanden wären. Durch seine hohe Spezifität können zudem 10 Proben gleichzeitig in nur einem Reagenzglas mit nur einem Satz der relativ teuren Reagenzien analysiert werden.

Die Publikation dieser Resultate in einer wissenschaftlichen Zeitschrift steht kurz bevor. Sobald dies geschehen ist, wird CITES und anderen in den Haischutz involvierten Organisationen wie der FAO (Food and Agricultural Organization) ein wertvolles Hilfsmittel zur Identifikation der Weissen Haie zur Verfügung stehen. Nationen, die sich dem Schutz der Weissen Haie bisher entgegenstellen und statuierten, dass man die Weissen im Handel ja nicht identifizieren könne, wird die Argumentationsbasis genommen.

Die einfach zu handhabende Anwendung des Bi-Organellen-Tests ermöglicht auch eine gross angelegte Überwachung von Handelsware, in der Teile von Weissen Haien vermutet werden können.

Der Bi-Organellen-Test für Weisse Haie wird wohl zuerst in den Ländern zur Anwendung kommen, die bereits jetzt schon die Weissen Haie unter Schutz gestellt haben. Er hat jedoch das Potential, weltweit eingesetzt werden zu können, sobald die Weissen global unter Schutz gestellt werden. Ein kürzlich gestarteter Versuch, die Weissen Haie in den Appendix II von CITES aufnehmen zu lassen, scheiterte zumindest teilweise daran, dass den CITES Mitgliederstaaten keine zuverlässigen und kostengünstigen Methoden zur Verfügung stehen, Produkte von geschützten Haien als solche zu identifizieren.

In Zukunft kann die sehr zuverlässige und einfach zu handhabende Technik des Bi- Organellen, pentaplexen PCR Tests für andere unter Schutz stehende Tier- und sogar Pflanzenarten adaptiert werden und so der Kontrolle des globalen Handels mit diesen Arten dienen.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info



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modifiziert: 04.06.2016 10:48