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Shark Info 1 / 98   (15.08.1998)

Author

  Intro:

Der Weisse Hai

Dr. E. K. Ritter

  Hauptartikel:

Weisse Haie, Käfigtauchen und Haischutz

Dr. L. J. V. Compagno

  Artikel 1:

Hai-Unfälle

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 2:

Carcharocles megalodon - ein Vorfahre von Carcharodon carcharias?

R. Kindlimann

  Artikel 3:

Meinungsforschung in Südafrika, der «Hochburg der Weissen Haie»

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 4:

Die Hai-Stiftung/Shark Foundation

Dr. A. J. Godknecht


Weisse Haie in Südafrika

Weisse Haie, Käfigtauchen und Haischutz

Von Dr. Leonard J. V. Compagno

Ursprung des Käfigtauchens mit Weissen Haien

Die Beobachtungen von Weissen Haien aus Käfigen heraus gehen schon dem Kinofilm «Der Weisse Hai/JAWS» von 1975 voraus und besitzen eine lange Geschichte. Das Käfigtauchen scheint seinen Anfang in den späten 60er Jahren in der Gegend des Dangerous Reef und anderen Orten im südaustralischen Spencer Gulf zu nehmen und hat, trotz der späteren Seltenheit dieser Tiere, bis heute überlebt. Es waren erfahrene Taucher wie Ron & Valerie Taylor oder auch Rodney Fox, die erste Versuche im Käfigtauchen machten. Dabei profitierten sie von südaustralischen Sportanglern, wie z.B. Alf Dean, die Techniken entwickelt hatten, um Weisse Haie an die Boote heranzulocken.

Hai-Käfig

Die filigranen, zylindrischen Hai-Käfige, die in Südafrika eingesetzt werden, schützen Taucher sehr effizient vor Weissen Haien. (Dyer Island, Südafrika)

© Shark info

Tauchplätze mit Weissen Haien im Spencer Gulf sind sehr abgelegen und erfordern für die Durchführung von Tauchexpeditionen, Film- oder wissenschaftlichen Projekten umfangreich ausgerüstete Tauchschiffe. Erste Expeditionen wurden von professionellen Käfigtauch-Anbietern mit grossen Fischerbooten unternommen. Dabei wurden grosse «Gorilla-Käfige» aus Stahl verwendet. Das war zwar sicher, aber auch sehr zeitintensiv und kostete deshalb pro Person mehrere Tausend Dollar. Peter Gimbel entwickelte einen leichten, mobilen Aluminiumkäfig und produzierte 1970 den ersten kommerziellen Weisshai-Film «Blue Water, White Death». Daraufhin entwickelten die Taylors leichte, mit Schwimmern versehene Haikäfige, die sich für Filmzwecke besser eigneten als die schwereren, bei kommerziellen Käfigtauch-Ausfahrten eingesetzten. Die Taylors hatten festgestellt, dass schwere Käfige unnötig waren, weil Haie normalerweise knapp vor den Käfigen stoppten und gar nicht in den Käfig einzudringen versuchten. So entstanden leichte Maschendraht-Käfige mit galvanisiertem Stahlgerüst, Seitentüren und Deckklappen. Danach entwickelten Berufstaucher tragbare und offene Käfige in Zylinderform, um sich beim kommerziellen Abalonesammeln (die «Abalone» ist eine lokal sehr geschätzte Schneckenart) am Meeresgrund aufdringliche Weisse Haie vom Leibe zu halten.

Das Käfigtauchen in Südafrika

In Südafrika ist das Käfigtauchen mit Weissen Haien jüngeren Ursprungs und wurde erst in den späten 80er Jahren sporadisch in der westlichen Cape Province um Struis Bay (östlich von Cape Agulhas) und in False Bay nahe Kapstadt praktiziert. Weisse Haie wurden jedoch in südafrikanischen Gewässern seit jeher beobachtet, wie Belege des Arztes und Forschers Andrew Smith aus den Jahren um 1820 zeigen. Die Befischung dieser Tiere begann etwa um 1909 in der Region um False Bay. Wesentlich später, etwa um 1950, kam dann die Sportfischerei hauptsächlich um Durban und in der Region kwaZulu-Natal auf. Mit dem Film «Der Weisse Hai/Jaws» verstärkte sich die Jagd auf Weisse Haie in der westlichen Cape Region und sie wurden von da an durch eine Handvoll «Hai-Jäger» in False Bay und anderen Regionen routinemässig getötet. Diese Form lokaler Fischerei begann wegen des grossen Interesses der lokalen Medien, der Trophäen-Jagd der verschiedenen «Hai-Jäger», und weil Kiefer und Skelette von Weissen Haien in Übersee einen lukrativen Markt fanden, regelrecht zu blühen. Die Weissen Haie Südafrikas lockten Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre auch Hochsee-Angler aus Übersee an, die ihre Trophäen nun in Südafrika suchten, weil die Weissen Haie im traditionsreicheren Südaustralien zunehmend seltener wurden. 1991 stellte Südafrika die Weissen Haie unter totalen Schutz, was bei den internationalen Medien natürlich grosses Interesse hervorrief.

Erste wissenschaftliche Projekte mit Weissen Haien in Südafrika

1990 initiierte das Südafrikanische Museum ein erstes wissenschaftliches, vorwiegend aus Markierung und Feldbeobachtungen bestehendes Projekt mit Weissen Haien. 1994 verlagerte man dann das Schwergewicht der Forschungen auf die Verhaltensökologie dieser Tiere. Aufgrund von Berichten lokaler Angler wurde im Rahmen des Markierungsprojektes 1992 Dyer Island - eine kleine Inselgruppe nahe des Fischerdorfs Gans Bay, westlich von Cape Agulhas - als Tauchplatz für Weisse Haie «entdeckt».

Dyer Island

Hai-Käfig

Nach dem Anlocken mit «Chum» bleibt der Hai in der Nähe des Bootes - ideal für wissenschaftliche Untersuchungen und Markierungen.
(Dyer Island, Südafrika)

© Shark info

Dyer Island ist eine interessante, marine Oase von steinigen Riffen und Kelpwäldern. Es besteht aus zwei Hauptinseln, dem eigentlichen Dyer Island und Geyser Island. Dyer Island beherbergt grosse Kolonien von Seevögeln, vorwiegend Afrikanische Pinguine und Kormorane und Geyser Island eine grosse Kolonie von Seehunden (Cape fur seal). Im relativ schmalen, etwa 180 m breiten und zwischen 4 bis 6 m tiefen Kanal zwischen den beiden Inseln, der sogenannten «Hai-Allee», werden Weisse Haie aus den umliegenden Gewässern regelrecht zusammengepfercht. Sie patrouillieren dabei direkt unter der Wasseroberfläche, nahe den Seehundkolonien und jagen die Seehunde.
Die Haie sind anscheinend das ganze Jahre über um Dyer Island zu finden, doch nimmt ihre Häufigkeit zur Zeit der Aufzucht der jungen Robben noch zu, wenn diese schwimmen lernen und entsprechend leichte Beute sind. Die Haie jagen und töten aber auch ausgewachsene Seehunde bis hin zu den stärksten Männchen. Wenn Futter ins Wasser geworfen wird, «untersuchen» die Haie sogar Boote. Dabei ist es dann leicht, sie zu beobachten, zu filmen oder wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Die Gegend um Dyer Island kann auch sehr gefährlich sein. Dies nicht etwa wegen einer Haiattacke. Bis heute gab es lediglich einen einzigen Unfall! Grössere Gefahren bergen Wetter, Riffe, Kelp, hohe Wellen, Strömungen und der beschränkte Schutz vor hoher See und Sturm. Als Dyer Island als Tauchplatz mit Weissen Haien «entdeckt» wurde, war die Insel ein Naturschutzgebiet mit beschränktem Zugang. Doch anders als bei vielen anderen Vogelinseln in Südfafrika, wo jeder Zutritt verboten ist, wurde bei dieser Insel der Zugang bis zur Hochwassermarke erlaubt. Die Vögel und Seehunde von Dyer sind auf der Insel vor Störungen durch Menschen geschützt und die kommerzielle Seehundjagd oder das Eiersammeln sind heute verboten. Weil aber eine Schutzzone fehlt, werden Vögel und Seehunde durch in den Kanal einfahrende Boote gestört. Die Pinguin-Kolonie schrumpfte in den letzten Jahrzehnten dramatisch und gibt Anlass zur Besorgnis. Neben kommerziellen Käfigtauch-Anbietern und Weisshai-Forschern zog Dyer Island auch Sport- und Berufsfischer, Abalonetaucher und Freizeitkapitäne an.

Hai-Käfig

Um die Haie nicht mit dem Köder zu füttern, werden Fischteile in sehr stabile Nylonsäcke verpackt.
(Dyer Island, Südafrika)

© Shark info

Dyer Island wurde 1992 als Käfigtauchort bekannt, als Ron & Valerie Taylor den ersten Film über die Weissen Haie Dyer Islands produzierten. Dabei setzten sie ihre leichten, rechteckigen Foto-Haikäfige, unterstützt von kleinen Wasserski-Booten, von einem grossen Fischerboot aus ein. Forscher des Weisshai- Forschungsprojektes entwickelten einen tonnenförmigen für den Einsatz von Wasserskibooten geeigneten Käfig. Nach 1992 begannen lokale Bootsbetreiber die Filmemacher und Sportaucher nach Dyer Island zu führen. Auch ganze Scharen von Filmleuten und zunehmend Sporttaucher aus Übersee strömten nach Südafrika um die Weissen Haie zu sehen. Zahlreiche Hai-Filme wurden seither - hauptsächlich bei Dyer Island, aber auch in Struis Bay - gedreht, die ihren Höhepunkt Anfang 1995 mit der BBC/National Geographic Produktion «Great White Shark» fanden.

1997 fuhren schliesslich 7 kommerzielle Käfigtauch-Anbieter in den Dyer Island-Kanal. Unter ihnen entstand harte und aggressive Konkurrenz, die entsprechend auch Forschung, Seehund- und Vogelkolonien störte. Die Geschehnisse gipfelten schliesslich in Drohungen und Gerichtsverhandlungen zwischen einzelnen Gruppen, da sich - weil mehr und mehr Gelder für Filme und Ökotourismus aus dem In- und Ausland nach Gans Bay flossen - eine regelrechte «Goldrausch- Mentalität» entwickelt hatte. Ironischerweise erhielten wissenschaftliche Organisationen immer weniger Forschungsgelder für die Erforschung der Weissen Haie in Dyer Island und anderswo in der Gegend, während kommerzielle Käfigtauch-Anbieter und Reiseagenturen mit der zunehmenden Flut der Leute, die Weisse Haie sehen und filmen wollten, ein Vermögen machten.

Weltweites Haitauchen

Das ökotouristische Tauchen mit Haien wurden in den 90er Jahren durch die starke Zunahme der Sporttaucher populär. 1997 waren weltweit über 160 Haitauchorte bekannt. Die meisten dieser Plätze erlauben es den Sporttauchern ohne Käfig mit kleinen und grossen Haiarten, einschliesslich potentiell gefährlicher Arten wie Bullen- und Tigerhaien oder mit dem zunehmend populären «sanften Riesen», dem Walhai, zu tauchen.

Ökotourismus

Basierend auf den früheren Versuchen in Australien und Südafrika entwickelte das «Natal Shark Board,» eine Regierungsstelle in der südafrikanischen kwaZulu-Natal Region, das sogenannte POD (Protective Oceanic Device), ein elektronisches Haiabwehr-Gerät zum Schutze der Taucher. Dies, obwohl bisher tausende von Tauchern Haie unter Wasser ohne Käfige und Geräte, wie dem POD, beobachteten und dabei kaum Probleme mit den Haien hatten, solange die Tiere mit Respekt behandelt wurden. Bereits vor mehr als 10 Jahren proklamierte der inzwischen verstorbene Don Nelson, dass Haie, verglichen mit terrestrischen Wirbeltieren, nicht sehr aggressiv seien. Ökotouristische Erfahrungen mit Haien unter Wasser liefern den dringend notwendigen Gegenpol zur «Haiangriffs-Fixierung» der Medien, der Bevölkerung, älterer, wissenschaftlicher Literatur und Forschern der alten Schule. Dieser gewonnene Gegenpol hilft stark dabei, den Haischutz populär zu machen. Der andauernde und während der gesamten Lebenszeit steigende Wert lebender Haie für den Ökotourismus ist weit höher als der Wert toter Haie für die Fischerei. Verschiedene gesetzgebende Regierungsstellen (auch die Regierung der Malediven) haben begonnen, die Haifischerei zugunsten des Schutzes der Haie und deren Umwelt (Korallenriffe eingeschlossen) und der Sporttaucherei zu beschränken.

Weisse Haie und der Mount Everest

Seit dem Film «Der Weisse Hai/Jaws» umgibt den Weissen Hai eine Aura des Schreckens. Die breite Öffentlichkeit und viele Wissenschafter betrachten den Weissen Hai als «anders» und wesentlich gefährlicher als andere Haiarten. Dies zeigt sich schon darin, dass diese Tiere weiterhin nur aus Käfigen beobachtet werden. Weisse Haie sind für Taucher und Filmemacher, was der Mount Everest für Kletterer ist: eine ultimative und todesverachtende aber mit spezieller Ausrüstung (Käfige) zugängliche Erfahrung. Gut, Weisse Haie sind kraftvolle, effiziente und schnelle Superräuber an der Spitze der Nahrungskette, verspeisen grosse, marine Beutetiere und greifen gelegentlich auch Menschen an, sie fressen diese aber nur sehr selten ganz auf. Auch Tiger sind Superräuber des terrestrischen Ökosystems, verschlingen jedoch weit häufiger Menschen. Um sowohl die vom Aussterben bedrohten Tiger, als auch ihre potentiellen, menschlichen Opfer zu schützen, werden Unfälle mit Tigern heute realistischer betrachtet. Das Schwimmen mit Weissen Haien ohne Käfig mag für einen erfahrenen Taucher eine Herausforderung sein und wird am weisesten mit einem guten Verständnis für ihr Verhalten und ihr soziales System betrieben. Es ist aber keinesfalls vergleichbar mit dem Besteigen des Mount Everest und wohl weniger gefährlich als durch den Sunderban-Wald im Ganges-Delta zu spazieren und dabei zu riskieren, als Katzenfutter zu enden. Weisse Haie sind soziale Tiere mit einem komplexen Verhalten und keine einsamen, Schwimmer und Taucher vom Strand verschlingenden Fressmaschinen. Dennoch bleibt der Mythos des Weissen Hais aus den gleichnamigen Film erhalten und wird auch weiterhin unsere Empfindung über diese Tiere beeinflussen, obwohl wir zunehmend gewillt sind, sie zu schützen. Betrachten wir sie also weiterhin ängstlich hinter Gitterstäben!

Die idealen Käfig-Tauchplätze

Das Tauchen mit Weissen Haien ist wesentlich teurer und limitierter als mit anderen Haien, weil es nur wenige Orte gibt, an welchen regelmässig genügend Weisse Haie anzutreffen sind. Das Mekka des Käfigtauchens und generell für Sichtungen von Weissen Haien ist heute Südafrika. Am bekanntesten Platz für Weisse Haie in den USA, bei den kalifornischen Farallon Islands, wurde das Käfigtauchen verboten. Doch an einem weiteren Platz in Kalifornien, den Ano Nuevo Islands, ermöglicht noch mindestens eine Organisation Beobachtungen vom Boot aus und führt weiterhin Markierungsversuche durch. Die traditionellen Plätze in Australien sind viel teurer als jene in Südafrika, im Spencer Gulf sind die Weissen Haie in den letzten zwei Jahrzehnten zudem bedeutend seltener geworden und der Zugang zu Weissen Haien wird zunehmend eingeschränkt. Anders als im weit vom nächsten Hafen entfernten Spencer Gulf, liegen die bekannten Käfigtauchplätze in Südafrika wie Dyer Island (mehrere Veranstalter), Struis Bay (1 Veranstalter), False Bay (1 oder 2 Veranstalter) und Mossel Bay (1 Veranstalter) nahe bei Häfen, Gemeinden und Versorgungszentren. Käfigtauchgänge können mit kleineren Booten und viel geringerem Aufwand durchgeführt werden. Ein Tagestrip kostet den Taucher nur gerade 100 bis 200 US-$ und dies erst noch mit einer guten Chance, tatsächlich Weisse Haie zu sehen. Auch bei den lokalen Tauchern, die sich einen Trip nach Australien samt teurer Expedition von Port Lincoln in den Spencer Gulf nicht leisten können, wurde das Käfigtauchen mit Weissen Haien beliebt.

Probleme mit den Käfigtauch-Anbietern um Dyer Island

Um Dyer Island wurden manchmal leichte, instabile und dadurch potentiell gefährliche Käfige verwendet, gegensätzliche Anlockungs- und Fütterungstechniken entwickelten sich und auch die Sicherheitsstandards waren unterschiedlich und nicht geregelt. Unqualifizierten Personen ohne Tauchausbildung erlaubte man in die Käfige zu steigen, in einigen Fällen sogar nur mit Schnorcheln ausgerüstet oder aber nur gerade nach einer kurzen Einführung ins Gerätetauchen. Glücklicherweise gab es bis heute keine grösseren Unfälle, doch liessen erfahrene Taucher (!) zweimal ungewollt Weisse Haie in ihren Käfig eindringen. Mit mehr Glück als Verstand konnten die Taucher den in Panik geratenen Haien unverletzt entfliehen. In einem der beiden Fälle wurde der Käfig demoliert.

Interessenskonflikte

Mossel Bay, an der Südküste Südafrikas, besitzt eine kleine, vorgelagerte Insel mit einer ständigen Seehundkolonie und Weissen Haien. Die Insel liegt knapp seeseitig eines bekannten Strands und nahe einer marinen Gasversorgung. Ein kommerzieller Käfigtauch-Anbieter erlebte einen Streit darüber, ob seine Aktivitäten verboten werden sollten, weil sie die Gefahr eines Hai-Angriffs auf schwimmende Touristen oder auf die Gasversorgung wartende Berufstaucher erhöhten. Die Situation wurde schliesslich nach langem Streit durch sachliche Abwägung aller Interessen lokal bereinigt. Die Gemeindebehörden limitierten in der Folge das Käfigtauchen und passten es den übrigen Aktivitäten in Mossel Bay und dem saisonal schwankenden Aufkommen der Feriengäste an.

Käfigtauch-Vorschriften in Südafrika

1997 schaltete sich das Sea Fisheries Research Institute SFRI, die zuständige Behörde für Fischerei in Südafrika, ein und zog in Erwägung den gesamten Zugang zu Weissen Haien, insbesondere Käfigtauchen, Filmarbeiten, Markierungen und Wissenschaft zu reglementieren. In mehreren, langwierigen und bissigen Sitzungen mit Wissenschaftern, Anbietern und Regierungsstellen kam man schliesslich zur Einsicht, dass ein Managementplan entwickelt werde müsse. Dieser Plan umfasst einen Verhaltenskodex für Käfigtauch-Anbieter, Ausrüstungsstandards, ein Bewilligungsverfahren für Käfigtauch-Anbieter, Filmemacher und Wissenschafter, eine zahlenmässige Beschränkung der Anbieter, Überprüfung von geplanten Hai-Forschungsprojekten durch einen Rat von Wissenschaftern, Gebühren für kommerziellen Zugang zu Weissen Haien und schliesslich Sperrzonen für kommerzielle Käfigtauch-Anbieter. Die für Dyer Island zuständige Behörde, die Cape Nature Conservation CNC, hat nun vorgeschlagen, maximal 5 Käfigtauch-Anbieter täglich in Dyer Island zuzulassen, wobei nur 3 Anbieter gleichzeitig im Kanal sein dürfen und eine Tages-Gebühr zu entrichten ist. Gleichzeitig wird eine Schutzzone um den Dyer Island-Komplex geschaffen und der Zugang nur noch unter Einhaltung der in ganz Südafrika geltenden Regeln der SFRI gestattet.

Die neuen Vorschriften sind rechtskräftig

Mitte 1998 traten diese Vorschriften in Kraft. Nun wird es sich zeigen, wie sie sich bewähren werden und ob zu ihrer Durchsetzung noch Zusatzvorschriften zu erlassen sein werden. Wenigstens einige der kommerziellen Anbieter begrüssen die Regulierung nach der wilden Zeit von Anarchie und Aufruhr. Eine strikte Gesetzgebung ist wohl die einzige Möglichkeit, die vollständige Diskreditierung der Käfigtauch-Industrie und negative Effekte auf den südafrikanischen Tourismus zu verhindern, wenn nach einem einzigen, schweren Hai-Unfall die negative Publizität wieder einmal mit Lichtgeschwindigkeit um die ganze Welt rasen würde. Es war auch unumgänglich, den «Krieg» innerhalb der Käfigtauch-Industrie und zwischen den Käfigtauch-Anbietern und anderen Interessenten wie Forschern, Berufs- und Sportfischern zu beenden.

Schadet die Käfigtauch-Industrie den Weissen Haien?

Wie geht es den Weissen Haien selbst? Schadet der kommerzielle Zugang den Weissen Haien Südafrikas? Es ist schwierig zu beurteilen, ob das Käfigtauchen in der bisher praktizierten Form den Weissen Haien bereits geschadet hat. Verletzungsquellen für Haie beim Käfigtauchen sind etwa rauhes Handling der Köder, wenn Haie sich in ihnen verbeissen. Die Haie können sich in dicken Seilen, Ketten oder Stahltrossen, womit Köder und Käfige befestigt werden, verheddern und verletzen, sie verletzen sich gefangen in falsch konstruierten Käfigen, an scharfen Metallobjekten und Schiffsschrauben. Selbst die Verwendung von Markierungen (Tags), woran sich Entenmuscheln und andere, marinen Organismen ansammelten, führte schon zu schweren Hautverletzungen. All diese Verletzungen können durch sorgfältige Planung beim Käfigtauchen vermieden werden.

Weitaus schädlicher ist der Konflikt zwischen kommerziellen und wissenschaftlichen Interessen, da unkontrolliertes Käfigtauchen die Wissenschaft stark beeinträchtigen kann. Die Störungen reichen vom simplen Weglocken durch Anfütterung, was unweigerlich zu verändertem Verhalten der Tiere führt, bis hin zu böswilligen, bürokratischen, rechtlichen oder körperlichen Angriffen auf die Wissenschafter. In der Vergangeheit haben die meisten kommerziellen Käfigtauch-Anbieter die Wissenschaft wenig unterstützt. Das mag daher rühren, dass einige Filmemacher noch immer das alte Bild des Weissen Hais als mit Sägezähnen bewaffneter Bestie der wesentlich «irdischeren» Weisshai-Realität vorziehen und nicht die geringsten Anstalten machen, das wirkliche Tier Hai hinter dem übertriebenen Bild des Weissen Killerhais zu sehen.

Zunehmende Einsicht einiger kommerzieller Anbieter

Wenigstens einige der Käfigtauch-Anbieter sind willens mit Wissenschaftern zu kooperieren, was von der SFRI begrüsst und gefördert wird. Durch gemeinsame Projekte lokaler und ausländischer Wissenschafter soll nun auch versucht werden, die «Cowboy-Mentalität» einiger Weisshai-Wissenschafter in den Griff zu bekommen. Die Gebühren für kommerzielle Anbieter werden wohl zukünftige Forschungsprojekte wie Langzeit-Markierungs- und Telemetrieprojekte mit Weissen Haien, um deren Aktivitätsmuster und Habitatsbenutzung herauszufinden und untersuchen zu können, fördern. Einige Filmemacher und Anbieter stellen bereits Ausrüstung und etwas Geld für Forscher zur Verfügung und viele Filmemacher entwickeln langsam ein realistischeres Verständnis des Weissen Hais. Dies mag dabei helfen, das alte Bild der Bestie Weisser Hai zu korrigieren. Direkte Hai-Beobachtungen oder richtig recherchierte Tierfilme können unser Verständnis dieser Tiere ändern und unterstützen den Haischutz. Auch in den Schulen beginnt man, Beobachtungen von Weissen Haien mit Wissenschaft und Lehre über deren Biologie zu verbinden.

Der Schutz des Weissen Hais

Obwohl der Weisse Hai in Südafrika, Namibia, Australien, den USA und Israel geschützt ist und auch Anstrengungen unternommen werden, sie im ganzen Mittelmeer zu schützen, ist die nicht regulierte und schlecht untersuchte Hochseefischerei, wobei Weisse Haie bloss ungewollter Beifang sind, immer noch höchst besorgniserregend. Das sogenannte, durch den Film «Der Weisse Hai/Jaws» entstandene, «JAWS-Phänomen» bewirkt nach wie vor, dass ein Kiefer eines grossen Weissen Hais tausende von Dollars wert sein kann. Dies fördert den Schwarzmarkt und die Gier wohlhabender Privatsammler auf Kiefer und Zähne. Auch Flossen und Fleisch eines Weissen Hais bringen noch immer hunderte von Dollars. Der Weisse Hai ist national und international immer noch ein «Big Game-Fisch», er muss dringend von den Sport-Fanglisten der verschiedenen Hochseeangler-Organisationen gestrichen werden, um Anglern und Macho-Haijägern die Lust darauf zu verderben. Der Schutz kleiner und häufiger Haiarten hängt primär von einer Kontrolle der bisher nicht regulierten Fischerei und des Beifangs ab. Der grosse und seltene Weisse Hai würde von einem totalen Schutz durch die CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) viel gewinnen, der internationale Handel mit teuren Teilen von Weissen Haien (Kiefer, Zähne, Flossen, usw.) könnte gestoppt, mindestens aber eingeschränkt werden. Vielleicht hilft die sachliche Information der breiten Massen über die wahre Biologie der Weissen Haie durch Film, Video, Sporttauchen, Unterseeboote, fest installierte Endlos-Beobachtungskameras, usw., dabei, diese Haiart zu schützen und das Wissen und Verständnis weiter zu erhöhen.

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* Dr. Leonard. J. V. Compagno ist Curator of Fishes, Leiter des Shark Research Centers der Division of Life Sciences des South African Museum in Cape Town. Dr. Compagno ist ein profunder Kenner der Weissen Haie und der Käfigtauch-Szene in Südafrika.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. Leonard J. V. Compagno



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modifiziert: 04.06.2016 10:48