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Shark Info 1 / 96   (10.02.1996)

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  Intro:

Leiden für nutzloses Haiknorpel-Pulver gegen Krebs

Shark Info

  Hauptartikel:

Haiknorpel gegen Krebs

Shark Info

  Fact Sheet:

Die Lorenzinischen Ampullen

Prof. Dr. R. Lund


Leiden für nutzloses Haiknorpel-Pulver gegen Krebs

Finning

Foto: Finning     © Shark Info / Chris Schwitz

Der Hai als Allerweltsheilmittel: auf dem Buckel schwerkranker Menschen blüht seit einiger Zeit das Geschäft mit pulverisiertem Haiknorpel. Gegen teures Geld wird dieser unter anderem zur Heilung von Krebs propagiert. Dies, weil bei Haien angeblich keine Tumore bekannt sind - doch auch Haie bekommen Krebs. Heilende Wirkungen werden zudem für eine ganze Anzahl weiterer Leiden versprochen. So soll Haiknorpel auch bei Gelenkkrankheiten wie Arthritis, bei rheumatischen Erkrankungen und verschiedenen Knochenkrankheiten helfen. Im Fernen Osten wird der Flossenknorpel zu vermeintlich potenzsteigernden Mittelchen verarbeitet. Hierzulande erscheint das Haipulver in der Werbung schlicht als «Hilfe für strapazierte Muskeln, Knochen und Gelenke» angeboten. Tatsache ist: weder die Wirkung als Krebsheilmittel noch die Hilfe bei irgendwelchen anderen Krankheiten sind klinisch nachgewiesen. Die rechtlich unzulässigen Heilsverkündungen sind einzig für die Geldbeutel von Herstellern und Vertreibern von Nutzen. Dazu der Biochemiker Carl Luer, Wissenschafter am Mote Marine Lab in Sarasota, der seit Jahren Haiknorpelforschung betreibt: «Die Idee, zur Krebsbehandlung Haiknorpel zu verspeisen, ist absurd. Das ist, als versuchte ein Kurzsichtiger durch den Verzehr von Adlerfleisch seine Sehkraft zu verbessern».
Die Leidtragenden sind einerseits betrogene Patienten und Patientinnen; andererseits die Haie: von den über 370 bekannten Arten ist heute ein Fünftel gefährdet. Zwar beteuern die Vertreiber von Haipulver, das unter dem Namen wie «Haifit», «Cartilade», «Hai-Acord» oder «Haitin» verkauft wird, dass ihretwegen kein Hai das Leben lassen müsse - es würden lediglich Haie aus dem Beifang verarbeitet. Es gibt jedoch Belege dafür, dass zumindest ein Teil der Tiere gezielt für die Knorpelgewinnung gefangen wird. Zudem ist das Argument mit dem Beifang eine Augenwischscherei, da es doch lediglich dazu dienen soll, den verantwortungslosen Beifang zu legitimieren. Gerechtfertigt wird mit dem Haipulver zudem eine grosse Tierquälerei, da der verwendete Knorpel oft von «gefinnten» Haien stammt: Den noch lebenden Tieren werden die für die Suppenindustrie bestimmten Flossen abgeschnitten - der Rest des Tierkörpers wandert in die Haiknorpelverarbeitung.



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modifiziert: 04.06.2016 10:48