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Shark Info 1 / 95   (30.09.1995)

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Der Weisse Hai: weltweiter Schutz gefordert

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Der Weisse Hai: keine Bestie

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Der Weisse Hai: Keine Bestie

Bericht Shark Info

Weisser Hai

Foto: Weisser Hai     © Shark Info / Doug Perrine

Dieses Bild ist mit einem elektronischen Wasserzeichen versehen.

Horrorfilme und Vorurteile haben den Weissen Hai an den Rand seiner Existenz gebracht. Der Top-Räuber der Meere, der im marinen Ökosystem eine Schlüsselrolle spielt, das Tier, das nur einmal alle vier bis acht Wochen frisst, soll nun weltweit geschützt werden.

Jedes Kind kennt ihn - und doch gehört er zu den unbekanntesten Tieren überhaupt. Die ideale Voraussetzung für Vorurteile?

Weisse Haie sind die grössten raubfischartigen Lebewesen, sogenannte Super-Räuber (Apex-Predatoren). Sie stehen am Ende der Nahrungskette und kontrollieren ihrerseits andere Räuber. Die Verbreitung der bis höchstens acht Meter und 3,5 Tonnen werdenden Tiere ist global. Sie bevorzugen jedoch gemässigte und subtropische Gewässer in vorwiegend küstennahen Regionen. Am häufigsten tritt der Carcharodon carcharias, so sein wissenschaftlicher Name, in Südaustralien, Südafrika und Kalifornien auf, aber auch im Mittelmeer.

Zu wenige, um zu überleben?

Wieviele Weisse Haie weltweit noch leben, ist unbekannt. Klar scheint jedoch, dass die Populationen stark am Schrumpfen sind. Beispiel Südaustralien. Dort wurde 1961 bis 1990 die Häufigkeit gemessen, mit der Weisse Haie an die Angel gehen. Von 1:22 (1961) fiel der Anteil auf 1:651 (1990). Das heisst: nur noch einmal pro 651 «Angelereignisse», die auf Haie ausgerichtet waren, ging der Superräuber an den Haken. Für Kaliforniens Gewässer schätzt man eine Population von zwischen noch 2000 und 3000 Tieren. Manche Wissenschafter sagen, dies sei zu wenig, um die Superräuber am Überleben zu halten. Einer der möglichen Gründe: Weisse Haie leben oft solitär und so wird es schwierig, einen Geschlechtspartner zu finden.

Der Weisse Hai ist unter verschiedenen Namen bekannt: White Death («Weisser Tod»), Blue Pointer, White Pointer. Er zeigt eine Form von Warmblütigkeit und kann seine Körpertemperatur bis zu zehn Grad Celsius über jener des ihn umgebenden Wassers halten. Die Tiere sind lebendgebärend und erreichen ihre Geschlechtsreife erst zwischen zehn und zwölf Jahren; sie können mehrere Jungtiere werfen. Bekannt ist ein im Mittelmeer gefangenes Weibchen mit neun Jungtieren. Neugeborene sind etwa 1,30 bis 1,50 Meter lang und 17 und 25 Kilogramm schwer. Einmal über vier Meter lang gehören Seehunde, Delphine, Wal-Kadaver, aber auch andere Haiarten zu seiner Nahrung.

Sie fressen selten

Noch immer gilt der Weisse Hai als ein Synonym für Bestie. Die Realität sieht anders aus. Vermutet wird, dass er höchstens einmal im Monat, ja sogar nur alle zwei Monate frisst. Dieses Verhalten passt nicht zur «Fressmaschine», zu der dieser elegante Räuber in den Medien gemacht worden ist. Die Gründe für die geringe Fresshäufigkeit liegen am Stoffwechsel. Dass dieses Tier nicht häufiger fressen muss, könnte an seiner äusserst fetthaltigen Nahrung liegen. Seehunde und Wale besitzen dicke Fettpolster, um sich gegen Unterkühlung zu schützen.

Attacken wegen Irrtums

Wieviele Attacken jedes Jahr auf das Konto des Weissen Hais gehen, ist nicht genau be-kannt. Von den jährlich erfassten 50 bis 75 Hai-Angriffen, von denen 5 bis 10 tödlich enden, hat der Weisse Hai den Hauptanteil. Als Unfallursache wird Irrtum vermutet. So weist zum Beispiel ein Surfbrett aus der Sicht des Weissen Hais, der ein hervorragendes (Farb)Sehvermögen hat, etwa die Silhouette eines Seehundes auf, einer seiner bevorzugten Beute.

Schutz: Südafrika machte den Anfang

Erste Schutzbestimmungen für den Weissen Hai wurden am 11. April 1991 von der südafrikanischen Regierung erlassen. Als «alarmierend» bezeichnete damals Umweltminister Louis Pienaar den Rückgang der Tiere, die «eine wichtige Rolle im Ökosystem» spielten. Wer innerhalb von 200 Meilen vor Südafrikas Küsten ohne staatliche Genehmigung einen Weissen fängt und/oder Handel mit ihm treibt, wird bestraft. Dasselbe gilt seit Oktober 1993 auch für die Küsten Kaliforniens. Seit 1. September 1994 dürfen auch in Südaustralien keine Weissen Haie mehr aus kommerziellen Gründen gefangen werden. Erlaubt ist lediglich noch das Fangen zu wissenschaftlichen Zwecken und das «Sportfischen», sofern die Tiere nach dem Fang wieder freigelassen werden. Die Tortur ist jedoch umstritten und soll unterbunden werden.

Das Geschäft mit dem Weissen Hai ist einträglich. So werden zur Zeit auf dem Schwarzmarkt für ein unpräpariertes Gebiss bis zu 10 000 US Dollars geboten. Im Trend liegen auch Touristenfahrten zu den Grossen Weissen. In der Monterey Bay von Kalifornien und vor Südaustralien locken Touristikunternehmen die Tiere mit Schlachthaus-Abfällen an die Boote. In Kalifornien kostet ein solcher Trip um die 300 Dollars. Dieses sogenannte «Chumming» ist umstritten, da Schlachthausabfälle gefährliche Viren und Bakterien ins Meer einschleppen können. In Kalifornien wird deshalb ein «Chumming»-Verbot diskutiert. Dies gegen erheblichen Widerstand der betroffenen Charterboot-Unternehmen. In Südaustralien will die Regierung einen Managementplan einführen. Vorschläge: Anfütterung nur noch während sieben Monaten und in limitierter Anzahl. Das gilt auch für Taucher, die von Käfigen aus die Tiere beobachten. Damit sollen auch die Brutkolonien von Seehunden und -löwen geschützt werden. Das heisst: Während den kritischen Geburtszeiten soll kein unnatürlich hohes Aufkommen von Weissen Haien provoziert werden. Der Weisse Hai ist der wichtigste natürliche Regulator dieser Kolonien. Für das «Chumming» dürfen laut den australischen Vorschlägen keine Schlachthausabfälle mehr verwendet werden. Um zu kontrollieren, ob diese und andere Vorschriften eingehalten werden, sollen Beamte der Umweltbehörde mit an Bord von Touristenbooten gehen können.

IUCN fordert weltweiten Schutz

Ein erster wichtiger Schritt, den Weissen Hai und weitere bedrohte Haiarten weltweit zu schützen, wurde im November 1994 in Fort Lauderdale (Florida) an der CITES-Konferenz getan. (CITES: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora/«Washingtoner Artenschutzabkommen»). Ein Vorstoss der USA verlangte, Haie besser zu schützen, bzw. deren Handel zu kontrollieren und teilweise ganz zu unterbinden. Das betrifft zum Beispiel Flossen und Kiefer. Welchen Status der Weisse Hai schluss-endlich erreichen soll, wird im Januar 1996 von der IUCN-Haispezialisten-Gruppe festgelegt. Es liegt dann an der CITES-Konferenz im Oktober 1996 in Montreal, zu bestimmen, welchen Schutz bedrohte Haiarten in Zukunft haben werden. Da Haie meist unerwünschter und laut Fischerei-Industrie schwierig zu vermeidender Beifang sind, wird mit erheblichem Widerstand der grossen Fang-Nationen zu rechnen sein. Unerwünschter Beifang bedeutet: Jedes Jahr gehen laut Schätzungen der FAO (Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der UNO) 260 000 bis 300 000 Tonnen (rund 12 Millionen Tiere) in die Netze, bzw. an die Angel, die für die Fänger eigentlich «Abfall» darstellen. Dabei ist es gängig, diesen Tieren die Flossen abzuschneiden («Finning» für Haiflossensuppe). Danach werden die Haie meist noch lebend wieder ins Wasser geworfen, wo sie elendiglich zugrunde gehen.

69 Arten bedroht

Laut der FAO (Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der UNO) werden jedes Jahr um die hundert Millionen Haie gelandet (ca. 1,3 Millionen Tonnen), davon ist ein grosser Teil unerwünschter Beifang wie er zum Beispiel bei der Thunfischerei «anfällt». Von den 374 Arten gelten heute 69 als bedroht. Etwa hundert Arten werden kommerziell ausgewertet (inkl. Beifang).

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info



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modifiziert: 04.06.2016 10:48