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Shark Info 1 / 01   (15.03.2001)

Author

  Intro:

Kommunizieren mit Haien

Shark Info

  Hauptartikel:

Kommunizieren mit Haien

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Haie aus der Sicht eines Filmemachers

J. Mc Kinney

  Artikel 2:

Walhaitourismus auf den Philippinen

Shark Info

  Artikel 3:

GIMEC-Sitzung in New Orleans

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 4:

Höchst erfreulicher Start der Hai-Ausstellung in St. Gallen

Shark Info

  Fact Sheet:

Kleinaugen-Hammerhai

Dr. E. K. Ritter


GIMEC-Sitzung in New Orleans

Von Dr. E. K. Ritter

Am 26. Januar dieses Jahres tagte die GIMEC (Global Interactive Marine Experiences Council) in New Orleans und präsentierte eine erste Vorlage dazu, wie in Zukunft das Tauchen mit marinen Lebewesen in Gegenwart von Futter durchgeführt werden sollte. Verschiedene öffentliche Sitzungen zum Thema Anfüttern mariner Tiere wurden im letzten Jahr in Florida abgehalten. Die Fütterungsgegner versuchten ein Verbot der Fütterungen zu erwirken und dieses gesetzlich zu verankern ( SHARK INFO: 4/2000). Die Regierung hat sich gegen eine solche Gesetzesänderung ausgesprochen. Gleichzeitig liess sie jedoch verlauten, dass eine Organisation gegründet werden müsse, die solche Fütterungen - vorwiegend von Haien und Fischen, - nicht nur kontrollieren, sondern in eine organisierte Form bringen soll. Entsprechend wurde GIMEC gegründet und eine Vorlage ausgearbeitet, die jetzt erstmals vorgestellt wurde.

Interaktives Tauchen an mehr als 300 Orten in fast 40 Ländern

Chumsicle

Ein Block aus gefrorenen FischstŸcken (Chumsicle) ist die natŸrlichste Art, die Haie anzulocken. Das Chumsicle simuliert eine alltŠgliche Situation: einen grossen, toten Fisch im Wasser.

© Hai-Stiftung

Seit den frühen 70er Jahren gibt es verschiedene Formen von interaktivem Tauchen mit marinen Lebewesen, was auch als IME (Interaktive marine Erfahrung) bezeichnet wird. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Orte in fast 40 Ländern, die solche Taucherlebnisse anbieten. Die IMEs machten über die Jahre sowohl Tauchern als auch Regierungsstellen bewusst, dass Schutzmassnahmen für marine Organismen ergriffen werden müssen, um den Lebensraum Meer erhalten und auch weiterhin marine Lebewesen beobachten zu können. Gerade Taucher scheinen bei diesen Anstrengungen immer mehr in den Vordergrund zu treten.

 

Kalkulierbares Risiko

Das Anfüttern von marinen Tieren ist ein zweischneidiges Schwert und viele Organisation stellen sich dagegen. So sprach sich auch die HSUS (The Humane Society of the United States), die grösste Tierschutzorganisation in den USA, kürzlich in einem Presseartikel dagegen aus und würde ein totales Verbot von Füttern von Haien in Florida befürworten. Zwar ist die Argumentation oppositioneller Gruppen verständlich, doch fehlen Fakten, die ein solches Verbot begründen könnten. Und entsprechend hat auch die floridianische Regierung geurteilt und der Tauchindustrie die Chance gegeben, Regeln und Vorgehensweisen auszuarbeiten, die eine gefahrlose Durchführung solcher Fütterungen ermöglichen. Seit den ersten öffentlichen Anhörungen ist nun einige Zeit vergangen und es stellte sich klar heraus, dass nur ein emotionsloser Ansatz dieser Sache dienlich ist. Ebenso zeigte sich deutlich, dass keine eigentliche Gefahr für die Menschen von diesen Praktiken ausgeht.

 

Verschiedene Interessensgruppen vereint in GIMEC

GIMEC besteht aus kommerziellen Tauchbasenleitern, Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachbereiche und anderen sachorientierten Gruppen. Zusammen sollen Richtlinien ausgearbeitet und deren Einhaltung später kontrolliert werden, die interaktives Tauchen zu einer wertvollen und unfallfreien Erfahrung werden lassen sollen.

Ziele und Aufgaben der GIMEC

Die GIMEC hat klar umrissene Ziele. Hauptsächlich sieht sie sich als Schaltstelle zur Ausbildung der Interessierten in Sachen IMEs und mariner Schutzbemühungen. Zudem soll sie Daten und Fakten sammeln und wissenschaftliche Projekte unterstützen. Die GIMEC soll jedoch auch sicherstellen, dass sich Anbieter von IMEs an die entsprechenden Richtlinien halten. Die wichtigsten Punkte umfassen dabei:

1)

Sicherheitsmassnahmen für ein positives Erlebnis

2)

Ausbilden und Trainieren der Mitarbeiter, die vom Anbieter angestellt und in die Aktivitäten miteinbezogen werden

3)

Ausbilden in den angewendeten Füttungspraktiken und Verständnis dafür vermitteln

4)

Ausbildung der Teilnehmer einer IME

5)

Förderung des Schutzgedankens

6)

Sicherung von Schutzmassnahmen

7)

Optimierung und Wahl des Fütterungsortes

8)

Information über die mit der Fütterung verbundenen Risiken

9)

Rettungs- und Erste Hilfe Pläne.

Ziele und Aufgaben der GIMEC

Die GIMEC profitiert auch von verschiedenen, bereits existierenden Erfahrungen, Projekten und Bestimmungen, die die Ausbildung und das Verständnis der Öffentlichkeit zum Ziel haben. So wurde in der Vorlage erwähnt, dass Bestrebungen übernommen werden sollten, die von der Hai-Stiftung Schweiz ausgearbeitet und bereits angewendet werden. Dabei wurden 2 Punkte hervorgehoben: die Allgemeinheit auf den bedrohlichen Zustand der Haie hinzuweisen und zu ermöglichen, dass Menschen sich mit Haien und ihrer Situation auseinandersetzen und lernen, mit ihnen umzugehen. Gerade das Letztere sollen von allen Anbietern gefördert werden.

Der gesamte Entwurf zur GIMEC Vorlage kann bei Shark Info angefordert werden.

* Dr. Erich K. Ritter ist Haibiologe und Adjunct Assistenz Professor an der Hofstra Universität, New York.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. E. K. Ritter



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modifiziert: 04.06.2016 10:48