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Shark Info 1 / 00   (15.03.2000)

Author

  Intro:

Aliwal Shoal

Shark Info

  Hauptartikel:

Aliwal Shoal Hart umkämpftes Paradies für Sandtigerhaie

Andrew C. Cobb

  Artikel 1:

Lebendgebären bei Haien

Prof. H. Greven

  Artikel 2:

Die Molekularbiologie hilft Haie zu schützen

Prof. M. S. Shivji

  Fact Sheet:

Sandtigerhaie

Dr. E. K. Ritter


Fact Sheet: Sandtigerhai

C. taurus

Carcharias taurus. a) Seitenansicht, b) Kopfprofil,
c) Unterseite (juv. Männchen), d) Nasenklappe, e) obere und untere linke Zahnreihe.

© D. Weber

Wenn es eine Haiart gibt, die nur wegen ihres Äusseren verfolgt und abgeschlachtet wird, so sind es die Sandtigerhaie (Carcharias taurus). Diese harmlose Art wurde in einzelnen Regionen der Erde nahezu vollständig ausgelöscht. Ob die Schutzmassnahmen, die in einigen Ländern eingeführt wurden, Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten.

 

 

Die Biologie des Sandtigerhais (Carcharias taurus)

Sandtigerhaie unternehmen jährlich weite Wanderungen. So tauchen sie saisonal - normalerweise innerhalb einer Zeitspanne von wenigen Wochen - immer wieder an denselben Orten auf. Ihr Lebensraum erstreckt sich bis in eine Tiefe von ca. 200 m. Sie sind eher nachtaktiv. Sandtigerhaie sind nach heutigem Wissensstand die einzigen Haie, die an die Wasseroberfläche aufsteigen und Luft schlucken, um so ihren Auftrieb zu regulieren. Dies ermöglicht ihnen, in jeder beliebigen Tiefe bewegungslos zu verharren. Obwohl sie sehr kräftig sind, wirken sie träg und schwimmen eher langsam.

Erscheinungsbild

Das äussere Erscheinungsbild eines Sandtigerhais widerspiegelt das Bild eines allen Vorurteilen entsprechenden Hais: gross, mit permanent sichtbaren, langen und dolchförmigen Zähnen. Doch entgegen ihrem Äusseren sind Sandtigerhaie völlig harmlos. Sandtiger haben erstaunlich kleine Augen, jedoch keine Nickhaut (3. Augenlid, das als Schutz über das Augen gezogen werden kann. Man findet sie z.B. bei allen Grauhaien). Das wohl typischste Erkennungsmerkmal - neben den Zähnen - sind die beiden gleich grossen Rückenflossen. Sandtigerhaie sind hellbraun gefärbt, mit einer bronzenen Rückenfärbung und einem weissen Bauch. Die Flanken sind oft rötlich gefleckt.

Grösse

Sandtigerhaie können eine Länge von über 300 cm erreichen. Männchen und Weibchen werden mit einer Grösse von ca. 220 cm geschlechtsreif. Jungtiere werden mit einer Länge von ca. 100 cm lebend geboren.

Ernährung

Sandtigerhaie fressen vorzugsweise Fische wie Heringe, Schnapper, Aale, Makrelen oder andere, seltener auch kleine Haiarten. Berichten zu folge soll diese Art auch gemeinsam Jagd auf Fischschwärme machen, indem sie die Schwärme zusammentreiben und sie damit zur leichteren Beute machen.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Sandtiger ist recht ungewöhnlich. Während der Embryonalphase fressen die am weitesten entwickelten Embryos ihre weniger weit entwickelten Geschwister auf. So überleben nur die beiden stärksten Jungen - eines pro Gebärmutter - und werden zur Welt gebracht. Die Überlebenschancen der jungen Sandtiger werden dadurch markant erhöht, denn sie sind bei ihrer Geburt mit einem Meter bereits so gross, dass sie nur noch wenige natürliche Feinde haben. Eine ähnliche Strategie findet man auch bei anderen Haiarten, wobei sich dort die Embryonen jedoch nicht voneinander, sondern nur von wenig weit entwickelten Eiern in der Gebärmutter ernähren. Solche Strategien kommen jedoch nur bei Haiarten vor, die keine eigentliche Gebärmutter besitzen, denn diese sorgt sonst für den konstanten Nahrungsnachschub. Die Schwangerschaft dauert bei Sandtigern 8 bis 12 Monate.

Verbreitung

Sandtiger findet man nahezu weltweit in gemässigten Regionen. Sie kommen im westlichen Atlantik von Maine bis hinunter in den Golf von Mexiko vor, fehlen jedoch in den tropischen Gewässern der Karibik. Man findet sie allerdings noch vereinzelt in den Bahamas. Weitere Regionen sind vom südlichen Brasilien bis Argentinien, um Bermuda, um die Kanarische Inseln und im Mittelmeer. In Afrika findet man sie vorwiegend um Südafrika und im Roten Meer. Weitere Verbreitungsgebiete sind Australien und Tasmanien.

Verhalten

Sandtigerhaie kommen oft in grösseren Gruppen vor, die sich zur Paarung oder der gemeinsamen Nahrungssuche zusammenfinden. Neueren Beobachtungen zur Folge, zeigen Sandtigerhaie ein ausgeprägtes Sozialverhalten. So treffen sie sich nicht selten gesellig unter Felsüberhängen oder ähnlichen Strukturen und bleiben dort - mit Hilfe der geschluckten Luft - oft längere Zeit bewegungslos stehen.

Zusammentreffen mit Menschen

Trotz ihres eher Furcht einflössenden Äusseren handelt es sich um harmlose Tiere, denen man sich ohne Bedenken nähern kann. Kommt man ihnen zu nahe, schwimmen sie einige Meter weg und bleiben wieder stehen. Da Sandtiger nicht sehr scheu sind, wurden ihre Bestände schnell dezimiert, als die erste Welle der «Haihysterie» über die Menschen hereinbrach. Speziell in Australien führte dies zu einer bedenklichen Reduktion ihrer Bestände. In Australien sind die Sandtigerhaie heute geschützt.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. Erich K. Ritter



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modifiziert: 04.06.2016 10:48